Ein Loblied auf die Lodenkotze

Alt und verstaubt? Eher zeitlos und praktisch! Gegen nichts auf der Welt würde unser Autor seinen Lodenmantel tauschen.

Regen im Wald

Auf meiner ersten Elchjagd schauten sie mich an wie den berühmten Yesterday Man. Genau gesagt nicht mich, sondern meine damals schon betagte Lodenkotze. Aber dann kam eine Woche Nieselregen und die Kameraden-Blicke wurden eher neidisch. Ich blieb nämlich immer trocken – auch weil unter solchem Umhang Schwitzen nahezu ausgeschlossen ist.

In Österreich, wo meine Kotze genäht wurde, sagen sie auch Wetterfleck. Das trifft es. Gedoppelt über Rücken, Brust und Schultern und natürlich ohne Ärmel kann das gute Stück durchaus als Ansitzzelt durchgehen. Der Sitzrucksack und auch die Waffe passen locker drunter – zusammen mit dem Jäger versteht sich. Die Beine bis zu den Stiefeln sind auch geschützt. Wenn Wild vorbeizieht, hindert nichts den schnellen Anschlag. Gäb´s die Kotze nicht, wir müssten sie schleunigst erfinden.

Stoff

Foto: Ökologix / wikipedia.org

Für alle, die jetzt eine haben wollen: Bloß nicht auf den Cent schauen. Guter Loden kann nicht billig sein. Der dicht gewebte Wollstoff wird aufwändig gewalkt, also in ziemlich warmem Wasser mit Zusätzen geknetet. So verbinden sich die Fasern fast untrennbar zu einem besonders dichten Gewebe. Das natürliche Wollfett wird zu einem guten Teil erhalten. Bevor die modernen Hightech-Fasern den Markt eroberten, gab´s nichts Besseres gegen Wind und Regen.

Es dauert Stunden, bis Wasser einen guten Lodenstoff durchdringt. Aber richtig nass fühlt sich ein Wetterfleck auch dann nicht an. Er ist so weit geschnitten, dass die Feuchtigkeit nur im (möglichst doppelten) Rücken bis zum Körper dringt. Wenn der Wolkenbruch vorbei ist, trocknet guter Walkloden fast so schnell wie Fiberpelz. Nur die Waschmaschine mag er nicht so gerne – auch weil er so das schützende Fett verliert. Aber was ist schon dabei, wenn so ein Stück nach Wald riecht und ein wenig auch nach Jagd und Jäger.

Wenn die Sonne scheint, hängt der Wetterfleck platzsparend hinten am Rücken. Zur Pause dient er als kommode Liegedecke, die auch Hunde lieben – und Jagdgenossen, die selber keine Kotze haben. Und danach unbedingt eine haben wollen. Weil mehr nicht sein muss, um bei der Jagd auf (fast) alles vorbereitet zu sein.

Das könnte Sie auch interessieren
Aktuell & informativ

DER OUTFOX WORLD NEWSLETTER

Aus der Natur direkt in Ihr Postfach.

Folgen Sie uns!