Gämsen leiden unter Ski-Gaudi

Der Partytourismus in den bayerischen Skigebieten wächst stetig. Die Folgen für die Gämsen sind erheblich.

Gämsen im Schnee

Foto: Dieter Hopf

Erst vor kurzem veröffentlichte der bayerische Landesbund für Vogelschutz seine Jahresbilanz der Verlierer und Gewinner des Naturschutzes mit alarmierenden Erkenntnissen (wir berichteten). Besonders Birkhuhn und Fluginsekten sind laut dem Bericht bedroht, es konnte ein gravierender Rückgang der Tierarten festgestellt werden. Jetzt gibt es weitere beunruhigende Nachrichten zum Artenschutz aus dem bayerischen Bundesland.

Aus einer Pressemitteilung der Deutschen Wildtier Stiftung geht hervor, dass der Partytourismus in den bayerischen Skigebieten den Gämsen massiv zusetzt. Dr. Andreas Kinser, Forst- und Jagdexperte der Stiftung, erklärt: „Gämsen und Co. sind die großen Verlierer der Pisten-Gaudi.“ Der Partyspass ginge schon lange über das übliche nachmittägliche „Après Ski“ hinaus. Mittlerweile würden die Tiere bis in die Nachtstunden durch den von Partygästen sowie Pistenraupen und Schneekanonen entstehenden Lärm gestört. Denn was den Feierwütigen ihr Vergnügen ist, bedeutet für das Wild eine enorme Belastung. „Der nicht enden wollende Ski-Zirkus versetzt das Wild in den Bergen in Dauerstress“, legt Andreas Kinser dar.

Er fordert Ruhebereiche im Bergwald, zu denen außer dem Wild kein Zutritt gewährt ist. Dort könnten die gestressten Tiere, zu denen die Deutsche Wildtier Stiftung neben den Gämsen auch Rothirsche und Rehe sowie seltene Vogelarten wie das Birkhuhn zählt, sich erholen. „Der Eventstress zerrt an wichtigen Reserven, die sie bei Kälte und Nahrungsknappheit im Winter dringend brauchen“, bekräftigt Kinser und verdeutlicht eindringlich: „Die ständige Flucht vor Licht, Lärm und Menschen kostet wertvolle Energie und kann sogar den Erschöpfungstod bedeuten.“

Dabei seien viele Gebiete einst streng ausgewiesene Wildschutzgebiete gewesen. Doch diese gingen zurück. So wurde beispielsweise der Schutzwald am Riedberger Horn im Allgäu, unterhalb der zukünftigen Skischaukel, nach jahrzehntelanger Sanierung doch abgeholzt. „Gerade die Gämse ist Opfer und Spielball einer verfehlten bayerischen Forstpolitik“, stellt Kinser klar.

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