Gemeinsam gegen Nutria-Schäden: Deutsche und Niederländer kooperieren

Niedersächsische und niederländische Experten berieten auf einem Symposium der Landwirtschaftskammer in Oldenburg über Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung der Nutria – zum besseren Schutz von Ufern und Deichen.

Nutria

Die Nutria sorgt an Ufern, Dämmen und Deichen, aber auch an landwirtschaftlichen Kulturen für immer größere Probleme (wir berichteten). Experten sind sich daher längst einig: Um die weitere Ausbreitung des aus Südamerika stammenden Nagetiers einzudämmen, ist ein gemeinsames Handeln dringend erforderlich. „Ein geeignetes Bekämpfungsmanagement setzt länderübergreifende Strategien voraus, denn die Nutria macht vor Grenzen nicht halt“, erklärte jetzt Gerhard Schwetje, der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Und dabei verwies er auf die benachbarten Niederlande – wo es mittlerweile gelungen sei, die Nutria aus dem Binnenland zu verdrängen. Da sowohl Niederländer als auch Niedersachsen ein großes Interesse haben, die Ausbreitung der Tiere mit einer gemeinsamen Strategie einzudämmen, brachte Schwetjes Kammer nun rund 40 Fachleute aus beiden Ländern zu einem grenzüberschreitenden Symposium zusammen. 

Laut einer Pressemitteilung gab es dabei drei konkrete Ergebnisse: In Niedersachsen soll künftig ein zwischen dem Landwirtschafts- und Umweltministerium abgestimmter „Nutria-Erlass“ die Maßnahmen regeln. Außerdem wird eine Arbeitsgruppe aus deutschen und niederländischen Fachleuten ins Leben gerufen, um Strategien zur weiteren Eindämmung der Nutria-Population zu entwickeln. Die Wirksamkeit dieser Strategien soll dann in einem grenznahen Versuchsgebiet, das allerdings noch nicht gefunden ist, überprüft werden.

„In den Niederlanden stehen ganz andere finanzielle Mittel zur Verfügung, um gegen die Nutria vorzugehen“, erklärte Heiko Fritz, der bei der Landwirtschaftskammer die Bisambekämpfung koordiniert, gegenüber Outfox-World. Mit rund zwei Dutzend Nutriajägern habe man das Vorgehen im Nachbarland längst professionalisiert. Hierzulande unterliege die Nutria dem Jagdrecht, sodass es zunächst gelte, Jäger über die Problematik zu informieren und Anreize für sie zu schaffen. Die in Niedersachsen bereits aktiven privaten Bisam-Jäger könnten auch gegen Nutria vorgehen – sie benötigten aber zunächst eine Erlaubnis des jeweiligen Revierinhabers. „Außerdem gibt es Überlegungen, den Muttertierschutz aufzuheben, um Rechtssicherheit für Jäger zu schaffen, oder auch die Tiere nach einer Aufhebung der Schonzeit ganzjährig zu bejagen“, erläuterte Fritz weiter.

Seit dem Jagdjahr 2010/11 gab es in Niedersachsen eine dramatische Zunahme der nutria-bestände

Die „dramatische Zunahme“ der Nutria-Bestände beschrieb Kammerpräsident Schwetje bei dem Experten-Symposium anhand von Zahlen: „Wurden im Jagdjahr 2010/11 in Niedersachsen rund 4.500 Tiere erlegt, war es sechs Jahre später mit knapp 22.000 Tieren bereits das Vierfache.“ Bis zu dreimal pro Jahr bekämen Nutria Nachwuchs.

Schwetje verwies darauf, dass die EU die Nutria seit 2016 in die Liste der „invasiven gebietsfremden Arten“ aufgenommen hat. „Damit wurde die Grundlage für konkretes Handeln geschaffen“, unterstrich der Kammerchef. Die EU-Mitgliedsstaaten seien nun gefordert, gegen die massive Ausbreitung der Art vorzugehen (wir berichteten). Auch die neue niedersächsische Landesregierung habe in ihrem Koalitionsvertrag die Eindämmung der Nutria-Bestände als einen Schwerpunkt des Küstenschutzes und der Deichsicherheit benannt.

An dem Symposium nahmen rund 40 Vertreter des niedersächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums, der Landesjägerschaft, des Niedersächsischen Landkreistages, des Wasserverbandstages, des Zentralverbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden, der Tierärztlichen Hochschule sowie Vertreter der niederländischen Wasserunterhaltungsverbände und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen teil.

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