Projekt „Artenreiche Flur“ in Gefahr

Die Artenvielfalt in dem als Biotop angelegten Lehrrevier des brandenburgischen Landesjagdverbandes wird durch Reitergruppen erheblich gestört.

Hase im Feld

Foto: Manfred Burmeister

Das Anlegen von Biotopen kann maßgeblich den Erhalt der heimischen Artenvielfalt sichern (wir berichteten). Mit dem Projekt „Artenreiche Flur“ im brandenburgischen Groß Kreutz schuf eine Interessengemeinschaft – darunter das Landesumweltamt und der Landesjagdverband sowie der Naturschutzbund Deutschland und die Gemeinde Groß Kreutz – ein Biotop, das zahlreichen Tierarten einen geschützten Lebensraum bietet. Doch die Grasflächen werden durch das Bereiten mit Pferden massiv gestört, heißt es in einem Bericht der Märkischen Allgemeinen.

Das als Lehrrevier des Landesjagdverbandes für Niederwild und Naturschutzaufgaben genutzte Gebiet besteht aus Hecken und kilometerlangen Flurholzstreifen. Ein idealer Nist-, Nahrungs- und Deckungsplatz für Feldhasen, Fasane und Rehe. Auf den Grünstreifen, den sogenannte Saumzonen, fühlen sich insbesondere Feldhasen überdurchschnittlich wohl, berichtet Revierbetreuer Klaus Mordhorst. Im Landesdurchschnitt beherberge eine solche Fläche fünf bis sechs Exemplare pro 100 Hektar, in Groß Kreutz seien es sogar 12 bis 15.

Doch der eigentlich geschützte Lebensraum der Tiere werde durch Reitergruppen gestört, beklagt der Revierbetreuer: „Jede Interessengruppe hat das Recht, ihre Freizeit zu gestalten. Doch es gibt Regeln, an die sich leider nicht alle Reiter halten.“ Obwohl die Grünstreifen nicht als Reitwege gedacht seien, würden sie als Alternative zu den unbeliebteren Feldwegen beritten. Dabei entstünden Schäden am Gras.

„Die vorgelagerten Saumzonen sind als Nahrungsangebot eine perfekte Ergänzung zu den Hecken. Eine reiterliche Nutzung führt zu Beschädigungen der Äsungsflächen und zur Beunruhigung des Wildes“, bestätigt dem Bericht zufolge auch der stellvertretende Geschäftsführer des Landesjagdverbandes, Andreas Weiß. Die Bereitung führe durch die anschließend erforderliche Pflege und Neusaaten zu Kosten, die sich für den Verband auf mehrere tausend Euro jährlich beliefen. 

Die ansässige Reiterschaft wehrt sich: „Wir sind weder rücksichtslos noch reiten wir über bestellte Äcker“, beteuert Reiterhof-Betreiberin Julia Bauereiß. Sie bezichtigt im Gegenteil die Jäger als Übeltäter durch die Nutzung der Wege mit ihren Jeeps und Holztransportern. Revierbetreuer Mordhorst bekräftigt jedoch: „Möglicherweise gibt es Reiter, die aus Unwissenheit die Saumzonen für ihr Hobby nutzen. Wir stehen daher gerne zu Gesprächen bereit.“

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