Rücksichtnahme in der Brut- und Setzzeit: Die Natur wird zur Kinderstube

Der Beginn der Brut- und Setzzeit steht unmittelbar bevor – die Wildtiere bekommen Nachwuchs. Damit den Kleinen nichts geschieht, gilt es als Naturbesucher besonders aufzupassen.

Rehkitz beim Äsen

Foto: Karl-Heinz Fritschek

Die Tage werden länger und die Pflanzen endlich ein wenig grüner. Die Natur erwacht und langsam, aber sicher bekommen viele Wildtiere Nachwuchs. Als Menschen haben wir nun eine besondere Verantwortung beim Erleben und Nutzen der Umwelt. In fast allen Bundesländern herrscht vom 1. April bis 15. Juli Brut- und Setzzeit, in einigen wenigen beginnt sie bereits am 15. März. 

Prägnant ist insbesondere für Hundebesitzer die Leinenpflicht in der freien Landschaft. Die artgerechte Haltung des Hundes (wir berichteten) hat in diesem Fall vor den Interessen der Wildtiere zurückzustehen. Für die Tiere bedeuten freilaufende Hunde eine Bedrohung – auch wenn der Jagdtrieb des vierbeinigen Freundes sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Durch Hunde geraten Wildtiere immer in Panik! Eine Flucht kann  zu Fehlgeburten führen oder bereits gesetzter Nachwuchs wird zurückgelassen und nicht wieder angenommen.

Ebenso wie Hunde können auch wir Menschen große Fehler im Umgang mit Wildtiernachwuchs machen. Häufig werden – mit guten Absichten – vermeintlich verwaiste Tiere aufgesammelt und bei Tierärzten oder engagierten Jägern abgeliefert (wir berichteten). Dem liegt häufig ein fundamentales Missverständnis über die Biologie und Lebensweise der Wildtiere zugrunde. Hilfreiche Tipps finden Sie beispielsweise hier.  

Hauptsächlich finden wir in der Kulturlandschaft Wildtiere, die mit den herrschenden Verhältnissen gut zurechtkommen (sogenannte Kulturfolger). Die Überschneidung von menschlichem und tierischem Lebensraum ist nicht ungewöhnlich, führt aber auch immer wieder zu einem Aufeinandertreffen. Hier einige Informationen zum Aufzuchtverhalten der häufigsten Tiere:

Rehwild

Ricke mit Kitz

Foto: Michael Tetzlaff

Rehwild lebt im Sommer einzelgängerisch, nur das Muttertier, die Ricke, bildet mit dem dies- und letztjährigen Nachwuchs einen Familienverband. Üblicherweise von April bis Mai „setzt“ die Ricke zwischen ein und drei Kitze an unterschiedlichen, deckungsreichen Orten. Als typische Waldrand- und Heckenbewohner lieben Rehe die Wald-Feld-Kante, wo viele verschiedene Büsche, Bäume und Kräuter ausreichend Nahrung und Deckung liefern. Genau dort bringen die Ricken auch ihren Nachwuchs zur Welt. Die jungen Rehkitze zeigen das angeborene Verhalten, sich zu „drücken“, also bewegungslos und an den Boden gepresst zu verharren. In den ersten Lebenswochen bleibt dieser Instinkt erhalten, auch wenn man sich als Mensch unmittelbar vor dem Kitz befindet. Die Ricke sucht das Kitz allerdings nur alle paar Stunden zum Säugen auf und erst wenn sie sicher ist, dass keine potenziellen Gefahren in der Nähe sind. Ob ein Kitz also seine Mutter verloren hat, ist für den Laien sehr schwer zu erkennen. Im Zweifel ist die Ricke wohlauf und hält sich nur versteckt.

Feldhase

Märzhase

Foto: Dieter Hopf

­Feldhasen (nicht zu verwechseln mit Kaninchen) leben ausschließlich an der Erdoberfläche, sie graben also keine Bauten. Ähnlich wie das Rehwild bevorzugen Feldhasen als reine Vegetarier deckungsreiche Lebensräume mit vielen Kräutern und frischem Grün. Auch das Verhalten der Junghasen ähnelt dem der Rehkitze stark. Sie werden vom Muttertier, der Häsin, in sogenannten Sassen abgelegt. In diesen flachen Erdkuhlen kommt ihre Tarnung perfekt zur Geltung. Üblicherweise sucht die Häsin zwei bis dreimal pro Tag die Junghasen zum Säugen auf. Anders als beim Rehwild kann beim Feldhasen die ganzen Sommermonate hindurch Nachwuchs vorhanden sein, da diese Tierart eine hohe Fruchtbarkeit aufweist.

Wildschwein

Frischling

Foto: René Alexander

Bei intakten Sozialstrukturen bekommen Wildschweine ebenfalls im April Nachwuchs. Auch hier kümmert sich ausschließlich das Muttertier, die Bache, um die Frischlinge. Anders als bei Rehen und Hasen baut die Bache einen gut versteckten Unterschlupf, wo sich alle Frischlinge zusammen mehrere Wochen lang aufhalten. Dieser „Wurfkessel“ wird von der Bache vehement verteidigt, sowohl gegen Artgenossen, als auch gegen Hunde und Menschen. Selten kann es vorkommen, dass man die jungen Frischlinge ohne Bache antrifft. Häufig sind die Jungtiere dann überaus neugierig und suchen die Nähe des Menschen. Eine solche Situation erfordert maximale Aufmerksamkeit, da eine falsche Bewegung oder ein verräterisches Quieken die Bache alarmieren und zum Angriff animieren würde. Man sollte sich langsam entfernen und die Jungtiere keinesfalls berühren.

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