Unsere Biene (III): Apitherapie – Ist die Biene gut für unsere Gesundheit?

Die meisten Menschen assoziieren sie mit einer bekannten Kinderbuchfigur, schenken ihr abgesehen davon jedoch kaum Beachtung. Meistens schwirrt sie umher, ohne groß zu stören. Und kommt sie doch einmal zu nahe, wird sie mit resoluter Handbewegung verscheucht. Doch was noch immer wenige wissen: Die Biene gehört zu den interessantesten, vielseitigsten und wichtigsten Lebewesen unserer Erde. Im dritten Teil der Serie „Unsere Bienen“ beschäftigt sich Outfox-World mit der Apitherapie, der Verwendung von Bienenprodukten zu medizinischen Zwecken.

Biene

Schon lange bevor der Mensch auf der Erde erschien, surrte sie auf unserem Planeten umher, archäologische Funde belegen, dass sie bereits vor 50 Millionen Jahren die Erde bevölkerte – die Biene gehört zu den ältesten Tierarten überhaupt. Auch im Leben der Menschen spielt die Biene seit Langem eine Rolle, die ältesten bekannten Höhlenmalereien mit Darstellungen der Tiere sind über 12.000 Jahre alt. Kein Wunder, dass der Mensch die Vorzüge der Biene bereits früh entdeckte. Doch nicht nur der Honig ist als schmackhaftes Nahrungsmittel bei unserer Spezies beliebt; auch der medizinische Nutzen von Bienenprodukten ist seit Jahrtausenden bekannt. Die medizinische Verwendung der Bienenprodukte wird als Apitherapie bezeichnet.

„Wo Bienen sind, da ist Gesundheit“

Biene

Schon die alten Ägypter fanden heraus, dass der Honig nicht nur gegessen werden kann, sondern darüber hinaus entzündungshemmend wirkt. Dazu wurde die Wirkung von Propolis, dem sogenannten Bienenharz, entdeckt. Der konservierende und keimtötende Effekt des Stoffes wurde nicht nur zur Wundheilung, sondern auch für die Einbalsamierung von Mumien genutzt. Auch die Inka setzten später Propolis für die schnellere Heilung von Wunden ein, ebenso wie die Mediziner im Römischen Reich.

Der Gelehrte Gaius Plinius Secundus soll einmal gesagt haben: „ubi apis ibi salus“ – „Wo Bienen sind, da ist Gesundheit“. Die heilende Wirkung von Propolis und auch von Honig als entzündungshemmendes Mittel ist dem Menschen also bereits seit Tausenden von Jahren bekannt. Doch existiert die Apitherapie – der Begriff setzt sich zusammen aus den Wörtern Api („apis“ ist der lateinische Name der Biene) und Therapie ­– als medizinische Disziplin noch gar nicht so lange.

Bienenmedizin in der Neuzeit

In Deutschland etwa war die Apitherapie lange Zeit ein weitgehend unbekanntes Feld. Erst im Jahr 1986 begründete der Bamberger Imker Wilhelm Hemme beim Studium von Berichten der Welt-Bienen-Vereinigung Apimondia im Bieneninstitut von Stuttgart-Hohenheim den Begriff der Apitherapie. Im Oktober desselben Jahres gründete sich schließlich der Deutsche Apitherapie-Bund (DAB), dessen erster Präsident Hemme wurde. 

Im Jahr 2016 zählt der DAB etwa 700 Mitglieder. Ärzte, Heilpraktiker, Imker, Physiotherapeuten und Vertreter anderer Berufe engagieren sich in dem eingetragenen Verein. „Anfangs waren es noch ganze 20 Leute“, erinnert sich Arno Bruder. Seit 1999 ist er Vizepräsident des Bundes, dazu arbeitet er als Fachberater für Imkerei im Bezirk Oberbayern. Für den DAB organisiert er jedes Jahr zwei große Veranstaltungen zum Thema Apitherapie. „Teilnehmer aus bis zu 35 Nationen weltweit sind bei unseren Events zu Gast“, erzählt Bruder nicht ohne Stolz. Von der medizinischen Wirkung der Apitherapie ist er überzeugt.  „Sowohl Honig als auch Bienenpollen, Propolis, Gelée Royale, Bienenluft und Bienenwachs tun uns Menschen gut.“ In seiner langen beruflichen Karriere habe er sich auch dank des Konsums dieser Produkte „nur zweimal einen Krankenschein holen müssen“. Die Apitherapie sei eines der ältesten naturheilkundlichen Behandlungsverfahren weltweit und diene als „ganzheitliche Therapie“ der „Heilung, Genesung und Rehabilitation nach Erkrankungen sowie der Gesundheitsvorsorge“, sagt Bruder. Neben Blutkreislauf- und Nervensystem regten apitherapeuthische Mittel „den Stoffwechsel aller Zellen, und sogar die Psyche und den Geist“ an.

Während die Apitherapie heute besonders in Asien, in Süd- und Mittelamerika und in den ehemaligen Ostblockstaaten als medizinische Disziplin weit verbreitet ist, fristet sie in Deutschland jedoch noch immer ein vergleichsweise eher wenig beachtetes Dasein. Zu groß scheinen die Zweifel an der tatsächlichen Wirkung von Bienenprodukten zu sein.

Medizinischer Nutzen nur teilweise wissenschaftlich belegt

Bienenwaben

Dabei gilt es als wissenschaftlich erwiesen, dass die Bienenprodukte Propolis und Honig keimhemmende und keimabtötende Eigenschaften besitzen – obgleich nach deutschem Recht für die Heilwirkung von Lebensmitteln nicht geworben werden und Honig somit nicht als Heilmittel bezeichnet werden darf. Dazu enthält das populärste Produkt der Bienen neben Kohlehydraten und Enzymen weitere gesunde Stoffe wie Acetylcholin (für Reizleitung im Nervensystem), Inhibine (antimikrobiell wirksame Wirkstoffe) und Wuchshormone (für Hämoglobin im Blut). Außerdem ist wissenschaftlich belegt, dass der flüssige Stoff bei Schwächezuständen, in der Rekonvaleszenz, nach Krankheiten und Operationen sowie bei schlecht heilenden Wunden hilft. Allerdings gibt es wirkungstechnisch eine Einschränkung, betont Bienen-Experte Bruder. „Die Bienenprodukte wirken relativ langsam und sind daher nicht für die Behandlung von dringenden Problemen geeignet.“ Allerdings zeige die Apitherapie auf längere Sicht deutliche Linderung bei den Patienten, die Produkte seien zudem „deutlich gesünder als herkömmliche Arzneimittel“.

Andere Bienenprodukte werfen dagegen Fragen auf. Etwa das Gelée royale – der Futtersaft, mit dem die Honigbienen ihre Königinnen aufziehen. Zum einen ist dessen Wirksamkeit wissenschaftlich bis heute noch nicht nachgewiesen worden, zum anderen kann der Bienensaft durch seinen Anteil an Proteinen und Aminosäuren zu allergischen Reaktionen führen. So attestierte das Bundesinstitut für Risikobewertung dem Gelée royale in einer Einschätzung „ein bedeutsames allergenes Potenzial“.

Effektive Medizin oder Quacksalberei?

Kapseln

Weitere Bienenprodukte, deren Nutzen für die Wissenschaft noch nicht nachgewiesen ist, halten Kritiker schlichtweg für Quacksalberei. In China etwa werden Krebspatienten mit Bienengift direkt aus dem Stachel behandelt. Dabei wird die Biene am Kopf gepackt und „ausgedrückt“, bis der Stachel erscheint. Die Tiere verenden nach der Prozedur.

„Es gibt keine klinischen Studien an Menschen, die Wirksamkeit von Bienengift oder anderen Honigbienen-Produkten bei der Vorbeugung oder Behandlung von Krebs zeigen“, lässt die US-Organisation American Cancer Society auf ihrer Website kritisch verlauten. Sie warnt davor, im Falle einer Erkrankung allein auf diese Art von Behandlung zu vertrauen. Zugunsten der apitherapeutische Mittel konventionelle medizinische Verfahren zu meiden oder hinauszuzögern, könne „ernsthafte gesundheitliche Folgen“ haben. Entschließen sich Patienten dennoch für eine Bienenstich-Behandlung, sollten sie sich vorab dringend einem Allergietest unterziehen. Denn im Falle einer Bienenallergie kann eine solche Behandlung tödlich enden.

So lange Produkte wie Bienengift, Gelée royale oder auch Bienenluft in ihrer Wirksamkeit nicht wissenschaftlich bestätigt sind, wird die Apitherapie für die Schulmedizin keine Rolle spielen, sondern weiterhin in die Kategorie der sogenannten komplementären und alternativen Methoden fallen. Ob Apitherapie tatsächlich medizinischen Nutzen hat? Die Wahrheit liegt vermutlich wie so oft in der Mitte. Doch eines steht fest: Nimmt man Bienenprodukte wie Honig, Pollen oder Propolis, deren Wirkungsweisen wissenschaftlich nachgewiesen sind, in gesundem Maße zu sich, schadet man seinem Körper nicht – im Gegenteil.

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