Wanderin nach Wisent-Begegnung verletzt

Wisent

Symbolbild: Michael Gäbler / wikipedia.org

Ein Ausflug im Schmallenberger Sauerland endete für eine fünfköpfige Wandergruppe aus dem Rheinland am vergangenen Sonntag mit einem Schock – und für eines der Mitglieder sogar mit Verletzungen. Eine 47-Jährige Frau wurde auf dem Rohaarsteig unweit der Raststätte „Millionenbank“ von einem Wisent attackiert, berichtete die Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Die Frau war gemeinsam mit ihrem Mann, ihrer Schwester sowie deren beiden Kindern auf einem Rundwanderweg unterwegs, als die Gruppe samt Hund auf einmal drei Wisenten gegenüberstand. Nachdem die Wanderer rückwärts ausgewichen waren und am Wegesrand Schutz gesucht hatten, griff eines der großen Tiere urplötzlich an. Die 47-Jährige, die ihren Collie vorsichtshalber auf ihren Arm genommen hatte, wurde umgestoßen und im Leistenbereich verletzt. Ihre Kleidung wurde dabei von den spitzen Hörnern des Wildrinds zerrissen. Erst dem Ehemann des Opfers gelang es, die Wisente mit lauten Schreien zu vertreiben, die unter Schock stehende Frau wurde von ihren Begleitern ins Krankenhaus gefahren. 

„Der Frau geht es mittlerweile den Umständen entsprechend gut“, sagte Dr. Michael Emmrich, Pressesprecher des Wisent-Trägervereins „Wisent Welt Wittgenstein“ gegenüber Outfox-World zum Gesundheitszustand des Opfers. Der Vorstand des Vereins habe die Rheinländerin nach dem Vorfall am Sonntag so schnell wie möglich kontaktiert. Die mittlerweile über 17 Tiere umfassende Wisent-Herde ist seit März 2013 im Schmallenberger Sauerland beheimatet. Im Zuge des Natur- und Artenschutzprojekts „Wisente im Rothaargebirge“ wurden die Tiere – Wisente sind Europas schwerste und größte Landsäugetiere und zudem die letzten Vertreter der Wildrindarten des europäischen Kontinents – erstmalig in Deutschland ausgewildert. 

Neben Befürwortern wie dem NRW-Landesumweltminister Johannes Remmel gibt es indes auch diverse Kritiker des Projekts. So kam es im Oktober 2015 zu einer Klage von Schmallenberger Landbauern. Diese wollten erreichen, dass sich die Wisente aufgrund der verursachten Schälschäden nicht mehr dort aufhalten dürfen. Die Kläger beziffern den bislang entstandenen Schaden an ihren Bäumen auf rund 100.000 Euro, ein vom Land Nordrhein-Westfalen unterstützter Schadensfond will sich jährlich mit bis zu 50.000 Euro an den Schäden beteiligen. Der Klage der Bauern wurde schließlich stattgegeben, der Wisent-Trägerverein hat gegen dieses Urteil Berufung eingelegt. In Bezug auf diesen laufenden Rechtsstreit sagte Wisent-Projekt-Initiator Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg im September 2015: „Wenn die es schaffen, die Wisente, die jetzt draußen rumlaufen, abzuschaffen, dann kann es gut sein, dass ihre Höfe brennen. Das wissen die auch ganz genau. Ich zünde sie nicht an, aber ich weiß, wie es geht.“ Zur Beruhigung des schwelenden Wisent-Streits trug dieses Statement sicher nicht bei.

Für Georg Feldmann-Schütte, einen der Kläger, kommt der Vorfall vom vergangenen Sonntag nicht überraschend. „Es ist genau das eingetreten, was wir prognostiziert haben“, sagte der Waldbauer gegenüber Outfox-World. Es sei „unverantwortlich“ gewesen, derart große Tiere auszuwildern. Bereits im Jahr 2005, als sich das Projekt noch in der Planungsphase befand, habe man deutlich Stellung gegen das Projekt bezogen. „Das sind 700 Kilogramm schwere Tiere, um die in den Zoos dicke Zäune gezogen werden“, begründete Feldmann-Schütte seine ablehnende Haltung weiter. Besonders in der Brunftzeit seien die Wisente „unberechenbar“, seit Ende der wissenschaftlichen Begleitung des Projekts würden die „fraßgesteuerten Tiere“ zudem „unbeaufsichtigt herumstreunen“.

Das Umweltministerium schrieb uns: "Das Ministerium bedauert den Vorfall und begrüßt, dass die Beteiligten vor Ort, wie etwa der Wisentverein oder die Koordinierungsgruppe unter Federführung des Kreises Siegen-Wittgenstein,  die genauen Umstände klären wollen." 

Emmrich kündigte im Namen unterdessen an, dass der Wisent-Trägerverein in den kommenden Tagen im persönlichen Gespräch mit dem Opfer und deren Begleitern herausfinden wolle, was genau am vergangenen Sonntag auf dem Talweg oberhalb der Latroper Seite passiert ist. „Obwohl wir keinen Grund haben, an der Geschichte der Betroffenen zu zweifeln, benötigen wir Informationen aus erster Hand, um die Situation adäquat einordnen zu können“, so Emmrich. Der Verein habe zudem umgehend den Kreis gebeten, die zuständige Koordinierungsgruppe einzuberufen. Auf Basis der dort zusammengetragenen Ergebnisse werde man die Risiken durch die Wisentpopulation „neu bewerten“. Emmrich bestätigte indes, dass es Hinweise auf zwei neue Kälbchen in der Wisentherde gebe.

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