Wildwarnreflektoren laut neuer Studie wirkungslos

Mit einer umfangreichen Studie haben Wissenschaftler der Universitäten Göttingen und Zürich nachgewiesen, dass Wildwarnreflektoren offenbar keinen Einfluss auf das Wild haben. Zur Vermeidung von Wildunfällen brauche es daher neue Konzepte.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) registriert zunehmend mehr Wildunfälle und damit deutliche höhere Schadenssummen. Das geht aus einer neuen Studie des Verbandes hervor. So ist die Anzahl der gemeldeten „Schadensfälle in Folge von Wildunfällen“ zuletzt auf rund 275.000 im Jahr 2017 gestiegen. Und auch die damit verbundenen Versicherungsleistungen sind enorm gestiegen: rund 744 Millionen Euro wurden 2017 ausgegeben. Aus diesem Grund hat der GDV eine Studie der Georg-August-Universität Göttingen und der Universität Zürich „konzipiert und finanziert“. Sie sollte klären, „ob das Anbringen von blauen oder mehrfarbigen Reflektoren die Anzahl der Wildunfälle nachhaltig und wirksam reduzieren kann.“

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Für die Beantwortung dieser Frage gingen die Wissenschaftler auf zwei Arten vor. Zuerst wurden vorhandene „nationale und internationale“ Untersuchungen zu dieser Thematik ausgewertet. Hier zeigten sich deutliche Unterschiede in den Ergebnissen über die Wirksamkeit der Reflektoren. Allerdings bemängeln die Forscher das methodische Vorgehen ihrer Kollegen, wodurch eine statistische Auswertung häufig nicht möglich sei. Anschließend wurden also eigene Daten erhoben. An 151 Straßenabschnitten in Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen wurden „drei gängige, auf dem Markt befindliche blaue und mehrfarbige Wildwarnreflektoren“ erprobt.

Die Reflektoren sind offenbar wirkungslos

Nach dem zweijährigen Versuchszeitraum konnten die Daten statistisch ausgewertet werden. Es zeigte sich, „dass die Zahl der Wildunfälle durch das Anbringen von Wildwarnreflektoren insgesamt nicht zurückging.“ Dabei war das Ausbleiben eines messbaren Effektes unabhängig von Modell, Farbe und Akustik des jeweiligen Reflektors. Zusätzlich wurde an den Streckenabschnitten mit Wärmebildkameras das Verhalten der Wildtiere protokolliert. Auch hierbei konnte kein Einfluss der Reflektoren festgestellt werden: Fluchtdistanz, Straßenquerung und die Reaktion auf herannahende Fahrzeuge änderten sich nicht messbar.

Die Wissenschaftler ziehen somit ein eindeutiges Fazit: „Zusammengenommen sprechen die vorliegenden Befunde daher dafür, dass Wildwarnreflektoren kein geeignetes Mittel darstellen, um Wildunfälle wirksam zu reduzieren.“

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