Klöckner: "Können nicht nach 30 Jahren deutscher Einheit die weiße Fahne hissen"

Bundesministerin äußert sich zur Untersuchung des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung.

Pressemitteilung des BMLE vom 07.03.19

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU)

Foto: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU)/Quelle: BMLE

Zur aktuellen Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung, die empfiehlt, ländliche Räume vor allem im Osten notfalls aufzugeben, statt weiter Geld zu investieren, erklärt die Bundesministerin für die ländlichen Räume, Julia Klöckner:

"Dörfer im ländlichen Raum aufzugeben, die Heimat sind für über die Hälfte unserer Bevölkerung, Landschaften einfach verwüsten zu lassen – diese Vorstellung halte ich für befremdlich. Nach dreißig Jahren deutscher Einheit, in denen viel erreicht wurde, können wir doch nicht einfach die weiße Fahne hissen. Zumal auch die mittelständischen Industrien in anderen Landesteilen mehr Zeit gebraucht haben, um sich zu entwickeln.

Zudem ist die Annahme falsch, ländlichen Räumen gehe es per se schlechter als Ballungszentren. Auch sind strukturschwache Gebiete keine Frage der Himmelsrichtung. Aufgabe ist, diese Regionen passgenau zu unterstützen, vorhandene Potentiale zu nutzen – keine Gießkannenpolitik. Dabei geht es nicht darum, jeglichen Unterschied zu glätten. Das Schöne ist doch gerade, eine Auswahl zu haben. Das ist Freiheit, macht selbstbestimmtes Leben aus. Das Ziel sind gleichwertige, nicht gleiche Lebensverhältnisse. Das bedeutet konkret: Grundvoraussetzungen müssen erfüllt sein, egal, wo man lebt. Es geht um Nahversorgung, Ärzte, Kitas und Schulen, eine gute Verkehrsinfrastruktur, schnelles Internet.

In der Kommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse", deren Co-Vorsitzende ich bin, werden wir hierzu Handlungsempfehlungen erarbeiten, vor allem auch die Chancen des ländlichen Raums in den Blick nehmen. Für viele so genannte "Hidden Champions", mittelständische Unternehmen, die auf Weltklasseniveau produzieren, sind sie beispielsweise als Standorte attraktiv, weil Platz vorhanden ist, um wachsen zu können. Auch die Möglichkeiten der Digitalisierung bieten großes Potential.

Kurzum, bereits auch mit kleinen Maßnahmen, kann viel Positives in Bewegung gesetzt werden. Und gerade vor dem Hintergrund, dass wir in vielen Städten eine Überhitzung beobachten, dort kaum mehr bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht, wäre es doch absurd, das Land aufzugeben. Das wäre unverantwortlich jenen gegenüber, die hier gerne leben. Eine solche Entsolidarisierung mache ich nicht mit."

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