Pressemitteilung des Deutschen Jagdverbands (DJV) vom 09. August 2019, Berlin

Konflikte mit Bär und Wolf nehmen zu

Die Zahl gemeldeter Konfliktfälle zwischen Braunbären, Menschen und ihren Nutztieren in Rumänien steigt. Grund hierfür ist eine verfehlte Naturschutzpolitik. CIC und DJV warnen vor sinkender Toleranz gegenüber großen Beutegreifern bei ausbleibendem Wildmanagement.

Der Bestand an Braunbären in Rumänien steigt seit Jahrzehnten kontinuierlich an und wird aktuell mit 8.300 Tieren beziffert. (Quelle: Rolfes/DJV)

Der Bestand an Braunbären in Rumänien steigt seit Jahrzehnten kontinuierlich an und wird aktuell mit 8.300 Tieren beziffert. (Quelle: Rolfes/DJV)

Braunbären haben in Rumänien in diesem Jahr bereits drei Menschen getötet. Die Anzahl gemeldeter Attacken auf Menschen hat sich im vergangenen Jahrzehnt versiebenfacht: 31 Angriffe wurden alleine 2018 an die zuständigen Behörden gemeldet. Auch in anderen europäischen Ländern mehren sich derzeit Meldungen von Braunbär-Angriffen. Das rumänische Umweltministerium erteilt seit 2018 keine Quoten für Braunbären mehr. Der Internationale Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) in Deutschland und der Deutsche Jagdverband (DJV) stellen fest: Wo Konflikte zunehmen, aber ein Wildmanagement ausbleibt, sinkt die Akzeptanz für Großprädatoren wie Bär und Wolf.

Der wirtschaftliche Schaden in der Landwirtschaft durch Braunbären in Rumänien beläuft sich auf über eine halbe Millionen Euro. (Quelle: Environmental Protection Agency of Harghita County / DJV)

Der wirtschaftliche Schaden in der Landwirtschaft durch Braunbären in Rumänien beläuft sich auf über eine halbe Millionen Euro. (Quelle: Environmental Protection Agency of Harghita County / DJV)

Der Bestand an Braunbären in Rumänien steigt seit Jahrzehnten kontinuierlich an und wird aktuell mit 8.300 Tieren beziffert. Der wirtschaftliche Schaden in der Landwirtschaft durch Ernteverluste, getötete Schafe und Rinder beläuft sich auf über eine halbe Millionen Euro. Die Dunkelziffer liegt weitaus höher: Überbordende Bürokratie hält die Bauern davon ab, kleine und mittlere Schäden zu melden.

Habituierung entgegenwirken

„Vor allem in ländlichen Regionen, in denen eine Habituierung der Bären stattfindet und ernste Schäden zu erwarten sind, sind Jagdquoten zwingend erforderlich. Mit dieser Maßnahme setzt ein lokaler Vergrämungseffekt ein und gefährliche Kontaktsituationen zwischen Mensch und Bär werden reduziert. Gleichzeitig müssen alle Best-Practice-Beispiele in den Bereichen Abfallwirtschaft, Lebensraumbeeinträchtigung, Holz- und Waldfrüchteernte konsequent umgesetzt werden“, so Dr. József-Tamás Fodor, Wildbiologe und Wildtiermanagement-Experte aus Rumänien.

In einer gemeinsamen Erklärung anlässlich einer Ministerkonferenz Anfang Juni in Bukarest, forderten der CIC und der Europäische Dachverband der Jagd (FACE) die rumänische Regierung nachdrücklich auf, ihrer Rolle als Vermittler besser gerecht zu werden und als glaubwürdiger Partner bei der Reduzierung von Konfliktsituationen zwischen Menschen und großen Beutegreifern aufzutreten.

Zunehmend häufiger sind Braunbären in Innenstädten Rumäniens anzutreffen. Bären wie im folgenden Video (Quelle: Dr. Francis Buner GWCT) aus der Nähe von Brasov, Rumänien, haben jegliche Scheu vor dem Menschen verloren. Zusammentreffen mit solchen Bären führen unweigerlich zu Konflikten.

Wolfsentwicklung in Deutschland zeigt Parallelen

Über 470-mal haben in Deutschland Wölfe 2017 Nutztiere angegriffen, mehr als 1.660 Schafe, Ziegen, Pferde und Rinder starben. Das sind 55 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Um die Akzeptanz für den Wolf im ländlichen Raum zu erhalten und den berechtigten Forderungen von Grundeigentümern und Landnutzern mehr Nachdruck zu verleihen, hat das Aktionsbündnis Forum Natur (AFN) im Januar 2019 ein Konzept für ein zukünftiges praxisorientiertes Wolfsmanagement vorgelegt. Die Verbände regen ein aktives Bestandsmanagement des Wolfes nach dem Vorbild der skandinavischen Schutzjagd an.

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