Pressemeldung des Landkreises Stade vom 25.06.2019

Nutrias gefährden die Deiche – Landkreis Stade unterstützt Fallenjagd auf einwandernde Nager

Noch ist die Gefahr überschaubar: Rund 500 Nutrias, biberähnliche Nagetiere, haben sich an Gewässern im Landkreis Stade ausgebreitet. Doch die Deichverbände sind alarmiert. Denn die harmlos erscheinenden Pflanzenfresser unterhöhlen Sturmflut- und Hochwasserdämme.

Nutria auf einer Eisfläche

Foto: Dieter Hopf

Landrat Michael Roesberg: „Wir wollen unsere Deiche sichern. Nutrias gehören nicht in unsere Landschaft und wir hoffen, dass möglichst viele in die Fallen tappen.“ Am Montag (24. Juni) hat der Kreistag deshalb zunächst für dieses Jahr 20.000 Euro Soforthilfe für die Fallenjagd auf Nutrias bewilligt.

Im März hatte Landrat Roesberg Vertreter von Jägerschaft, Landwirtschaft, Deich- und Unterhaltungsverbänden ins Kreishaus eingeladen – eine konzertierte Aktion „Nutria-Management“ wurde verabredet. Inzwischen hat das Naturschutzamt des Landkreises Stade ein entsprechendes Konzept zum Nutriamanagement vorgelegt. Es sieht die Überwachung der Populationen durch ehrenamtliche Helfer (Monitoring) sowie die Bejagung der Tiere vor. In Europa als „invasive Art“ eingestuft, unterliegt die Nutria in Niedersachsen dem Jagdrecht.

Nicht nur die Küsten- und Hochwasserschutzdeiche und damit im schlimmsten Fall die Sicherheit zehntausender Menschen an der Unterelbe gefährdet der Höhlenbau der Nutrias. Auch Wege und Wiesen unterminieren die Tiere, lassen Landmaschinen und Vieh in den Boden einbrechen. Sogar die Natur leidet unter den eingewanderten Nagern: Im Naturschutzgebiet „Hohes Moor“ bei Oldendorf zum Beispiel werden Dämme löchrig, die für die Wiedervernässung des Biotops wichtig sind.

Mit der nun überplanmäßig bewilligten, ursprünglich von der Freien Wähler-Gemeinschaft (FWG) im Kreistag beantragten Bezuschussung steht der Fallenbejagung der Nutria im Landkreis Stade nichts mehr im Wege. Für 20.000 Euro sollen in diesem Jahr zunächst für 23 deichnahe Jagdreviere jeweils zwei Fallen und entsprechende digitale Fallenmelder angeschafft werden. Die Mittel werden über die Deichverbände an die Revierjäger verteilt. Für 2020 sind entsprechende Mittel in Aussicht gestellt. Nach zwei Jahren erfolgt die Auswertung der Jagdstrecke und des Monitorings. Vom Ergebnis abhängig könnte dann die Bejagung fortgesetzt werden.

Wie rasant sich die ursprünglich in Südamerika lebenden und vor 200 Jahren erstmals in Deutschland zwecks Fell- und Fleischnutzung eingeführten Nutrias zurzeit wieder ausbreiten, zeigen die Zahlen aus Niedersachsen: Hier hat sich die Population seit 2013 auf 22.000 Exemplare mehr als verfünffacht. Über 20 Junge kann ein Nutriaweibchen im Jahr mit drei Würfen zur Welt bringen. Glücklicherweise ist das Klima für die Nager in Mitteleuropa nicht optimal und durch konsequente Bejagung kann der Bestand wieder dezimiert werden. Anfang des 19. Jahrhunderts waren freilebende Nutrias aufgrund der intensiven Pelzjagd in Deutschland fast schon einmal ausgerottet.

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