Aus Hochsitzen werden Protestbarrikaden

Im Hambacher Forst hatten Jäger einst 25 Hochsitze errichtet – nun sind davon nur noch Trümmerhaufen übrig. Der Verdacht fällt auf die Braunkohlegegner, lässt sich allerdings bisher nicht bestätigen. Jäger wünschen sich jetzt mehr Polizeipräsenz.

Eigentlich haben Jäger und Braunkohlegegner im Hambacher Forst ein ähnliches Ziel: Beide wollen den 12.000 Jahre alten Wald schützen. Der Energiekonzern RWE will den Hambacher Forst nahe Köln komplett roden, um Flächen für den angrenzenden Braunkohletagebau zu schaffen. Umso skurriler, dass seit Anfang 2016 einem WDR-Bericht zufolge alle 25 Hochsitze in dem Waldstück abgebrannt oder anderweitig zerstört worden sind. Auch wenn die Polizei am vergangenen Freitag (23.03.18) noch einmal bekräftigte, bisher keine Hinweise auf die Täter zu haben, stehen die Braunkohlegegner unter Verdacht. Der Grund: Teile der Hochsitze wurden in ihren Protestbarrikaden gefunden.

Sollten tatsächlich die Aktivisten hinter der Zerstörung der Hochsitze stecken, fügen sie dem Wald eher Schaden zu, als ihn zu retten. Ohne die Hochsitze ist eine Jagd unmöglich geworden, und ohne die Jagd vermehren sich Wildtiere, insbesondere Wildschweine, in dem Gebiet unkontrolliert. Allein in diesem Jahr verursachten die Wildschweine dort bereits Flurschäden von über 20.000 Euro – Kosten, die der Jagdpächter tragen muss. Die Jäger im Hambacher Forst fordern jetzt mehr Polizeipräsenz, um die Täter ausfindig zu machen. RWE plant unterdessen, das Jagdrevier in diesem Jahr zu übernehmen; somit müssten die Jagdpächter nicht mehr für die Wildschäden aufkommen.

In der WDR-Lokalzeit berichten die Jagdpächter im Forst von ihren Erfahrungen. „Wir haben die Aktivisten bereits beobachtet, wie sie einen Hochsitz kaputt gemacht haben“, erzählt einer der Jäger. Die Polizei gibt sich jedoch vorsichtig, will den Verdacht nicht bestätigen. So skurril die Situation im Hambacher Forst ist, so traurig ist sie unterm Strich für die Jäger. In ihren Aussagen schwingt nicht nur Ärger, sondern auch viel Wehmut mit: Lange hatten sie sich um ihr Revier um Hege und Jagd gekümmert, Hochsitze gebaut und viel Zeit investiert. Jetzt steht die Jagd im Hambacher Forst vor ihrem endgültigen Aus.

Im November vergangenen Jahres hatten Wildschweine in der Nähe des Hambacher Forstes einen Flugplatz verwüstet, nachdem mutmaßlich Umweltaktivisten einen Elektrozaun zerstört hatten (wir berichteten). Der Jagdpächter erzählte damals, dass er beim Versuch, die Wildschweine zu vergrämen oder zu bejagen, bereits häufiger ins Visier der Braunkohlegegner geraten war. Diese hätten Hochsitze zerstört, Reifen an Autos zerstochen sowie handfeste Bedrohungen ausgesprochen. Der Jäger hatte mehrfach Anzeige erstattet, woraufhin die Polizei ihm Jagd unter Polizeischutz anbot. An der Situation habe sich dadurch jedoch nichts geändert.

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