Begrenzte Abschusserlaubnis für den Kormoran

Kormoran mit Fisch

Foto: Karl-Heinz Fritschek / Kormoran mit Beute

Im Norden von Baden-Württemberg gibt es Probleme mit dem Kormoran: Weil er die heimischen Fischbestände bedroht, hat das Regierungspräsidium Stuttgart nun eine Abschusserlaubnis erteilt. Diese ist allerdings an einige Bedingungen geknüpft. 

Die Abschussgenehmigung gilt nur für Teile der Jagst und der Nebenflüsse Seckach und Kessach. Die Wasservögel dürfen dort in der Zeit vom 1. September bis zum 15. März von 2016 bis 2022 getötet werden, wie die Südwest Presse berichtet. Die Zahl der Abschüsse ist auf insgesamt 170 und pro Jahr maximal 50 Tiere beschränkt. Zudem gibt es einige Gebiete, die von der Erlaubnis gänzlich ausgenommen sind. 

Genau diese Gebiete sorgen für Unmut bei der Fischhegegemeinschaft Jagst. Denn im August 2015 war es zu einem Mühlenbrand gekommen, bei dem giftiges Löschwasser in die Jagst floss und ein katastrophales Fischsterben verursachte. Nach Angaben der Südwest Presse wurden damals mehr als acht Tonnen tote Fische aus dem Fluss geborgen. Der Fraßdruck des Kormorans belastet die ohnehin schon ausgedünnten Fischbestände zusätzlich. Das Regierungspräsidium sieht die Ausnahmeentscheidung als „flankierende Maßnahme nach dem Schadensereignis“ – mit der Frage, ob der Kormoran bejagt werden darf, ist die Behörde allerdings schon seit knapp drei Jahren beschäftigt.

Für die Fischhegegemeinschaft ist diese Maßnahme unzureichend und deshalb „völlig unakzeptabel“. In den geschädigten Gebieten sei weiterhin keine Vergrämung möglich, so Markus Hannemann, Sprecher der Fischhegegemeinschaft Jagst. Für Naturschutzgebiete gilt die Ausnahmegenehmigung nicht. Hannemann hätte sich gewünscht, dass die ganze Jagst-Strecke berücksichtigt worden wäre.

Eine wirkliche Veränderung zu den Jahren 2008 bis 2011, in denen der Kormoran dort schon einmal vergrämt werden durfte, sei die Maßnahme nicht. Die besondere Situation an der Jagst durch die vom Unglück betroffenen Fischbestände würde außer Acht gelassen. Dass die Naturschutzgebiete von der Genehmigung ausgeschlossen seien, findet Bruno Fischer, Vorsitzender des Naturschutzbundes Kirchberg, gut – andererseits hat er als Mitglied des Fischereivereins auch Verständnis für die Ausnahmesituation, die bei der Entscheidung nicht hinreichend bedacht wurde. 

Der Kormoran richtet in heimischen Gewässern viele wirtschaftliche und ökologische Schäden an. Davon sind insbesondere Fische und Fischer betroffen, wie beispielsweise in Rheinland-Pfalz, wo ebenfalls eine begrenzte Abschussgenehmigung erteilt wurde (wir berichteten).

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