Blitzknaller im Sachsenforst

Auch wenn es viele Jäger nicht mehr hören können: Der hochdefizitäre Landesbetrieb Sachsenforst sucht die Gründe für den Misserfolg weiter beim Schalenwild. Obwohl es offenbar stellenweise kaum noch welches gibt im Erzgebirge.

Rotwild

Foto: Dieter Hopf

Auch wenn es viele Jäger nicht mehr hören können: Der hochdefizitäre Landesbetrieb Sachsenforst sucht die Gründe für den Misserfolg weiter beim Schalenwild. Obwohl es offenbar stellenweise kaum noch welches gibt im Erzgebirge. Wen wundert`s dass der NABU die Hatz aufs Rotwild weiter unterstützt?

Erst mal die Zahlen: 2018 hat Sachsenforst 11,1 Millionen Defizit erwirtschaftet – ein Gewinneinbruch um 21 Millionen Euro.  Hauptsächlich durch Windbruch, Käferschäden, den trockenen Sommer sowie den Holzpreisverfall. Und ein wenig wohl auch durch teure Regiejagden unter Freunden.

Schlagzeilen machten vor allem zwei Drückjagden mit insgesamt 137 Schützen und 6 Stück Rotwild auf der Strecke. Mehr noch als der magere Ertrag, der die Klagen über hohe Rotwildbestände nicht gerade stützt, sorgten Begleitumstände für Erregung: Bei der Sause im August 2018 kamen bei einer Drückjagd im Revier Markneukirchen trotz akuter Waldbrandgefahr sogar „Blitzknaller“ zum Einsatz, um den dennoch mageren Jagderfolg zu steigern.

Als eher kostenneutral empfindet der Staatsbetrieb die 40.619 Euro, die Sachsenforst einem privaten Dienstleister für Jagdeinrichtungen und „Jagdorganisation“ bei einer der besagten Ansitzdrückjagden im 650 Hektar großen Revier Sachsengrund bezahlt hat. Schließlich gehe es da um langfristige Investitionen.

Welch bleibenden Wert derart hochwertige Kanzeln in einem offenbar leergeschossenen Revier haben, wird womöglich auch der neue Chef von Sachsenforst hinterfragen: Utz Hempfling stammt aus dem Schwarzwald und hat in Freiburg Forstwissenschaften studiert – also an einer als ziemlich ideologiefrei bekannten Hochschule.

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Soviel zu Vorgeschichte, nun zum Aktuellen: Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) bekam über die Feiertage Post von verschiedenen Verbänden, die sich höchst unterschiedliche Sorgen um das sächsische Rotwild machen. Eine „temporäre Anpassung“ verlangen sieben Vereine, darunter der Sächsische Waldbesitzerverband, die „Grüne Aktion Westerzgebirge“ und der NABU, auf Bundesebene eher der Meinung, dass der Wolf das Schalenwildproblem ganz ohne Jagd und Jäger lösen könnte.

Das sächsische „Bündnis für Wald und Wild“ schrieb dem Minister hingegen, dass an den Problemen nicht das Rotwild schuld sei, sondern „waldbauliche Sünden der Vergangenheit“ in Kombination mit dem Klimawandel und dem Borkenkäfer – womit ja auch Sachsenforst die gewaltigen Ertragseinbußen begründet.

Gestützt auf den Wildbiologen Sven Herzog, der auch den Jagdmethoden im Staatsforst Mitschuld an den Waldproblemen gibt und die Rotwildbestände örtlich als gefährdet einstuft, hat Sachsens Landesjagdverband Rückkehr zur waidgerechten Rotwildbejagung und Rückbesinnung auf bewährte Regeln für ein Miteinander von Forst und Jagd gefordert. „Blitzknaller“ gehören wohl nicht in diese Kategorie, obwohl sie die NABU-Tierfreunde offenbar nicht weiter daran stören.

Richtigstellung der Redaktion:
Unserem Autor ist ein Fehler unterlaufen, den wir korrigiert haben. Die Knallkörper wurden nicht, wie ursprünglich gemeldet, im Revier Sachsengrund eingesetzt, sondern im Revier Markneukirchen. Das Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft hat den Knallkörpereinsatz in der Antwort auf eine Landtagsanfrage der Linken als „pflichtwidrig“ bezeichnet. Das Vorgehen widerspreche „den Grundsätzen der Vorbildlichkeit von Jagdausübung und Hege“ und sei „entsprechend geahndet“ worden.

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