Brandbrief aus Brandenburg

In Brandenburg ist die Oberste Jagdbehörde neuerdings direkt dem Staatsforst zugeordnet. Der Landesjagdverband fürchtet das Schlimmste: „Unserem Rot-, Dam-, Reh- und Muffelwild stehen schwere Zeiten bevor. Hegegemeinschaften sollen zu Abschussgemeinschaften verkümmern oder werden durch Gruppenabschüsse mit Mindestabschuss in möglichst allen Altersklassen ersetzt.“ 

Dr. Dirk-Henner Wellershoff

Dr. Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg e.V. Foto: Erstling/LJVB

Auf den ersten Blick liest sich die neue Organisationsstruktur recht harmlos: Die Oberste Jagdbehörde gehört nun zur Obersten Forstbehörde im Referat 34. Aber genau von dieser Behörde sind Jäger Schlimmes gewöhnt: „Der jagdliche Schwerpunkt im Land liegt nunmehr ausschließlich auf der Reduzierung von Schalenwild, Wald vor Wild soll im ganzen Land konsequent umgesetzt werden.“

Massiv angelegte „Bewegungsjagden“ im Staatsforst – sogar in Schutzgebieten – gab es bisher schon. Mit Strecken, bei deren Anblick Jäger der alten Schule mit dem Kopf schütteln. Wie auch bei der Wolfsbegeisterung einiger Förster, die in den Raubtieren willkommene Jagdhelfer sehen. Obwohl Wolfsangriffe auch schon Förster-Hunde betrafen.

Nun ist den privaten Revierinhabern endgültig der Kragen geplatzt: „Es geht in Brandenburg um unser Wild und um unseren Wald. Der Landeswald ist die Heimat unserer Wildtiere und nicht nur Wirtschaftsunternehmen,“ schreibt Dr. Dirk-Henner Wellershoff, der Präsident des Landesjagdverbands, in einem offenen Brief an die Forstverwaltung.

Wellershof appelliert an das Jägerherz: „Wir Brandenburger Jäger im Landesjagdverband fühlen uns für das Brandenburger Wild verantwortlich. Wir sind Naturschützer, die sich unserer Kulturlandschaft und unseren Wildtieren verpflichtet haben!“

Konkret verlangt der Verband: Stärkung aller ehrenamtlichen Strukturen und der Hegegemeinschaften sowie verbindliche Mitsprache (wörtlich: Einvernehmen) bei der Verteilung der Mittel aus der Jagdabgabe. Außerdem ein „aktives Wolfsmanagement“ und die Aufnahme des Wolfs ins Landesjagdgesetz.

Da könnte auf Politiker schon im Europa-Wahlkampf einiges zukommen. Originalton: „Es ist Zeit zu handeln! Wir müssen mit unseren Themen die Menschen im Land erreichen! Sprecht mit unseren Landtagsabgeordneten und berichtet über unser tägliches Handeln im ganzen Land!“

Die Vorstandsmitglieder des LJV sind dabei offenbar bereit, in der Fläche auch persönlich zu mobilisieren: „Für Veranstaltungen im kommunalen Bereich stehen die Mitglieder des Präsidiums und des Forum Natur zur Verfügung! Wir sind ein starker Verband und werden uns nicht verstecken!“

Hier der Originalbrief:

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Offener Brief Dr. Dirk Henner Wellershoff, Präsident LJV Brandenburg e. V.

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