Brandenburgs Jäger können Anträge für Sauenfang stellen

Brandenburg geht zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest ab sofort einen Schritt weiter: Jäger können einen Antrag zur Genehmigung eines Schwarzwildfangs stellen.

Schwarzwild auf Wiese

Symbolbild: Ryszard Adamus

Nachdem Brandenburg bereits das Verbot zur Verwendung von künstlichen Lichtquellen bei der Jagd gekippt (wir berichteten) und Prämien für den Abschuss von Schwarzwild ausgeschrieben hatte, gibt das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft Jägern nun die Möglichkeit, einen Antrag „zum Betrieb eines Schwarzwildfangs“ zu stellen. Damit reagiert das Umweltministerium auf die drohende Gefahr durch die Afrikanische Schweinepest. In dem entsprechenden Praxisleitfaden zum Fallenfang heißt es: „Insbesondere die immer näher rückende Seuchenfront der Afrikanischen Schweinepest (ASP) macht es dringend erforderlich, die Schwarzwildbestände unter Anwendung aller verfügbaren Möglichkeiten zu reduzieren.“

Das Umweltministerium begründet die Genehmigungen mit positiven Ergebnissen aus der Forschung: „In zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen konnte zweifelsfrei belegt werden, dass der Fallenfang, gerade bei einer so reproduktiven Wildart wie dem Schwarzwild, mit hohem Wirkungsgrad praktiziert werden kann.“

Der Praxisleitfaden soll Jägern „Empfehlungen zum Bau und zur sicheren sowie tierschutzkonformen Arbeit mit Schwarzwildfängen“ geben. Dabei sind einige Bedingungen an den Aufbau und die Nutzung eines Fallenfanges geknüpft. Unter anderem fordert das Umweltministerium, dass die Jagd in der Nähe der Fanganlage generell ruhen solle. Bei Fang eines Tieres solle dies umgehend durch Einsatz einer Schusswaffe erlegt werden und zwar von außerhalb der Fanganlage.

Weiterhin gibt es Einschränkungen bei den zu fangenden Tieren: „Werden nur Saugfrischlinge (gestreift) gefangen, sollte der zugehörigen Bache mindestens ein möglichst männlicher Frischling lebend überlassen werden. Damit wird die, bei Verlust aller Frischlinge, zur erwartende neuerliche Rausche dieser Bache verhindert. Während und nach der Hauptrauschzeit können die im Absetzalter befindlichen Frischlinge vollständig erlegt werden.“

Jäger, die einen solchen Schwarzwildfang aufstellen wollen, müssen ihren entsprechenden Antrag an die Oberste Jagdbehörde stellen und dabei angeben, welche Notwendigkeit zum Betrieb des Fangs gegeben ist. Dazu zählt neben der Reduzierung einer überhöhten lokalen Schwarzwildpopulation auch die Wildschadensabwehr oder Wildschadensvorsorge sowie die Wild- und Tierseuchenvorsorge oder Wild- und Tierseuchenbekämpfung.

Doch der Einsatz von Saufängen ist unter Jägern und Tierschützern umstritten. Eberhard Gessner von der Hegegemeinschaft Weißhaus äußert sich dem Nachrichtenportal lronline.de gegenüber kritisch: „Welcher Jäger will schon gern auf diese Weise zehn Tiere hintereinander töten?“ Jörg Kohls, Vorsitzender des Jagdverbandes Bad Liebenwerda, sehe zudem andere Maßnahmen als vorrangig. So müssten seiner Meinung nach ausreichend Maßnahmen an den Transitstrecken erfolgen, um die Ausbreitung der Schweinepest zu verhindern. 

Auch andere Bundesländer ziehen den Einsatz von Saufängen in Betracht. In Baden-Württemberg plädierte der Jagdexperte Reinhold Pix (Grüne) dafür (wir berichteten). In Sachsen soll mit der geplanten Änderung des Landesjagdgesetzes die Verwendung von Saufängen unter bestimmten Bedingungen erlaubt werden (wir berichteten).

Zu dem entsprechenden Antrag geht es hier.

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