Der Holzpreis, der Wald und das Wild

Seit Monaten bestimmen Schlagzeilen über den Niedergang des Holzpreises die einschlägigen Fachblätter. Sorgen macht das nicht nur den Waldbesitzern. Auch die Jäger sind betroffen, wenn die immer brutalere Bekämpfung des Schalenwilds als Scheinlösung salonfähig zu werden droht.

Geschlagenes Holz an Waldweg

Foto: pixel2013

Schuld an der Misere sind zwar extreme Schadereignisse, oft in Kombination mit der Irrlehre, dass die Natur auch in der Kulturlandschaft die Dinge von alleine regelt. Aber auch der Verdacht ist nicht weit hergeholt, dass die Kalamitäten willkommen sind, um der fragwürdigen These „Wald vor Wild“ neuen Schwung zu geben.

Zugegeben, es ist wohl einfacher Reh, Hirsch und Gams zu bekämpfen als den Borkenkäfer. Und bei desaströsen Holzpreisen verhagelt die zügige Aufarbeitung von Käferholz ja zusätzlich die Bilanzen. Da ist es wenigstens nicht verwunderlich, dass die Stimmen sehr leise geworden sind, denen der Käfer als Helfer beim zügigen „Waldumbau“ höchst willkommen war.

Im Bayerischen Wald mit dem ersten Wald-Nationalpark der Republik, lässt sich seit Jahrzehnten studieren, dass die ganz reinen Lehren vom Öko-Waldbau – gottlob – nicht durchzuhalten sind. Vor allem, weil sie an der mangelnden Akzeptanz bei der einheimischen Bevölkerung scheitern.

Nach einem schlimmen Käfer-Jahr wäre es an der Zeit, die bayerischen Korrekturen an der forstlichen Naturlehre auch in der übrigen Republik zu verstehen. Aber das gelingt nicht einmal in Bayern flächendeckend. Auch dort hat der Staatsforst auf die Marktprobleme mit verlängerten Schusszeiten reagiert.

Abgesehen von der Käfer-Katastrophe erreicht den interessierten Beobachter die Nachricht, dass Hitzesommer der Buche und der Eiche besonders zu schaffen machen. Baumarten also, die als Antwort auf den Klimawandel gepredigt wurden. In der Realität wird es wohl kaum genügen, die Forstpflanzen zu wechseln, um die Probleme aus der Welt zu schaffen.

Nun ist es mitnichten so, dass Jäger etwas gegen den „Gesunden Mischwald“ hätten. Im Gegenteil, und zumindest nicht, wenn der Umbau nicht in Nadelholz-Vernichtung ausartet und damit die Artenvielfalt bedroht. Was nicht geht, ist jedoch jene Art von Umbau, in dessen Konsequenz kaum noch Platz wäre für wildlebende Großsäuger.

Der Holzpreis auf Zehn-Jahres-Tief ist Anlass zum Nachdenken: Nicht über Bekämpfung des Schalenwilds, sondern über Marktchancen für den ökologischen Rohstoff Holz. Oder über die Frage, warum die extrem niedrigen Erzeugerpreise bisher kaum bei den Verbrauchern ankommen – trotz rasant wachsender Beliebtheit von Holzbauten.

Wenn der Wald auch in öffentlicher Hand zunehmend als Wirtschaftsfaktor gilt, der sich ökonomisch rentieren muss, tritt die Frage nach den ökologisch richtigen Forstpflanzen ohnehin weit in den Hintergrund. Dann zählt vor allem der finanzielle Ertrag, der nun brutal eingebrochen ist.

Solche Entwicklung hat nicht nur schlechte Seiten. Das gilt auch für die Jagd, die zum Geldwert der Forsten gehört. Zumindest so lange dort Wild wenigstens geduldet wird. Dem Rest der Menschheit, Politiker und Förster inbegriffen, ist die Einsicht zu wünschen, dass der Mensch über längere Sicht nur schätzt und schützt, was (finanziellen) Nutzen bringt.

Eine Gesellschaft, die begonnen hat, ausgerechnet den Brennstoff Holz als weiteren Klima-Killer zu entdecken, ist auf dem Holzweg, wenn sie zugleich glaubt, dass sich der Wald auf Cent und Euro rechnen muss. Und nicht als Lebensraum für Mensch und Tier, der obendrein zum Klimaschutz mehr beiträgt als alle Feinstaub-Debatten und „Umweltzonen“ in den Städten.

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