Der Weizen wird knapp und der Strom kommt vom Acker

Klimawandel, Pflanzenanbau für die sogenannte Energiewende und der weiterhin wachsende Fleischkonsum fordern einen hohen Preis: Weltweit wird mehr Getreide verbraucht als der Landbau hergibt. Die Vorräte werden knapp und auch die Folgen für Wild und Jagd könnten erheblich werden.

Getreidefeld

Foto: realworkhard

Die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Internationale Getreiderat (IGC) warnen:  In den letzten 12 Monaten wurden knapp 30 Millionen Tonnen Getreide mehr verbraucht, als geerntet wurden. Damit fehlt rund ein Prozent der weltweiten Jahresproduktion von circa 2,6 Milliarden Tonnen, um die Nachfrage zu decken.

Es ist bereits das zweite Defizit-Jahr in diesem Jahrzehnt. Wie jetzt war auch im Jahr 2012/13 das Klima mit langen Dürreperioden in wichtigen Erzeugerländern wie den USA am Produktionsrückgang schuld. Zugleich wuchs die Nachfrage, vor allem auch für die Viehmast bei weltweit steigendem Fleischkonsum.

Jenseits von Weltretter-Theorien aus dem Veganer-Lager stellen sich interessante Fragen: Kommen die steigenden Verbraucherpreise (sechs Prozent plus binnen Jahresfrist) für Getreideerzeugnisse bei den Erzeugern an? Endet vielleicht sogar der Aberwitz, dass sich Mais für die Biogasanlage besser rechnet als Getreide für das tägliche Brot?

Ob die Maiswüsten hierzulande kleiner werden, ist ebenso wenig absehbar wie die Chancen der Hoffnung, dass weniger Regenwald für Palmöl-Sprit abgeholzt wird. Zu erwarten ist jedoch, dass mehr Menschen hinterfragen, ob alles „Bio“ ist, was unter diesem Namen verkauft wird – vom Bio-Gas über Bio-Diesel bis Bio-Avocados.

Und die Jäger? Sie saßen in letzter Zeit auf Bergen von Schwarzwild-Fleisch, das vielerorts selbst zu Schleuderpreisen kaum abzusetzen war. Dafür belehrten uns Gerichte, dass Wildbret kein Bio-Lebensmittel sei. Und zugleich bedrängte uns die Politik, die Sauen zur ASP-Abwehr mit nahezu allen Mitteln möglichst kurz zu halten – auch inmitten von Energiemais-Feldern.

So steigt der Getreidehunger der Mastfabriken weiter. Bauern, die noch auf die tier- und umweltfreundliche Weidehaltung setzen, müssen den so entstehenden Konkurrenzdruck aushalten und obendrein viel Geld für immer höhere Zäune und hungrige Herdenschutzhunde ausgeben, damit sie der Wolf nicht zum Aufgeben zwingt.

Wir sehen: Umwelt- und Naturschutz sind in aller Munde, aber im wirklichen Leben wird die Welt nicht besser für Fauna und Flora. Die Verbraucher unterschreiben Petitionen für den Artenschutz und sorgen in Masse mit ihrem Konsum zugleich für das schiere Gegenteil.

Da macht die Suche Sinn nach Sündenböcken für's wohlfeile gute Gewissen. Gern auch mit Hasstiraden gegen die Jagd und Schuldzuweisungen gegen die Bauern. Dabei sind Erstere im Einklang mit der Natur. Und Letztere für's wirtschaftliche Überleben einem Markt ausgeliefert, in dem letztlich nur das eigene, möglichst gute und zugleich möglichst preiswerte Leben zählt. Bei Discounter-Rind aus Südamerika oder Lammbraten vom anderen Ende der Welt. Der Strom für das oft schamlos übermotorisierte Elektroauto kommt halt vom Acker. Wo früher mal der Weizen wuchs.

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