Der Wolf und die Wahlen

Die rot-grüne Allianz für einen realitätsnahen Umgang mit Deutschlands Wölfen nimmt Fahrt auf. Auch unter dem Eindruck, dass die AfD-Konkurrenz mit dem Thema vor wichtigen Wahlen mächtig punkten will.

Wölfe

Foto: Mingo123

Eben stellten sich die Umweltminister Till Backhaus (SPD, Mecklenburg-Vorpommern), Jens Kerstan (Grüne, Hamburg), Jan Philipp Albrecht (Grüne, Schleswig-Holstein) und Olaf Lies (SPD,  Niedersachsen) am Rande der Umweltministerkonferenz in Hamburg Landwirten und Schäfern, die dort für ein wirksames Wolfsmanagement demonstrierten.

Hamburgs Bauernpräsident Martin Lüdeke forderte bei diesem Zusammentreffen „wirkliche Regulierung der Wolfszahlen“ und traf damit auf überraschend großes Verständnis. Womöglich kein Wunder: Die Landesumweltminister hatten schon im Vorfeld der Hamburger Konferenz Druck auf die Bundesumweltministerin Svenja Schulze, SPD, gemacht. Sie fordern unisono klare Regeln für den Umgang mit dem Raubtier.

Nachdem zudem die Bundeskanzlerin die Wolfsfrage zur Chefsache gemacht hat (wir berichteten), wächst die Erwartung, dass Frau Schulze den hinhaltenden Widerstand nicht mehr lange durchhalten wird. Kritiker ihrer Wolfspolitik gehen nun sogar einen Schritt weiter und fordern von der Bundesregierung klare Aussagen zum sogenannten „günstigen Erhaltungszustand“. Also zur Mindestanzahl von Wölfen, die nötig ist, um die Population der geschützten Art zu sichern.

Dieser „günstige Erhaltungszustand“ ist Dreh- und Angelpunkt für den Wolfsabschuss über die „Entnahme“ sogenannter Problemwölfe hinaus. Fürsprecher einer weiter unkontrollierten Ausbreitung sehen diese Untergrenze bei momentan mindestens 1.000 Wölfen in Deutschland noch nicht erreicht. Sie wollen eine Population von bis zu 4.000 Wölfen.

Der Spiegel titelte nun im Online-Dienst: „AfD wittert die Wolfs-Chance“. Mit dem Wolf heißt es dort, werde zunehmend „Politik gemacht, erst recht vor den Wahlen in Ostdeutschland“. Und dort vor allem in den Wolfsregionen. Und auch damit, dass andere EU-Länder vor den Europa-Wahlen auf ihr Recht pochen, den „günstigen Erhaltungszustand“ in nationaler Eigenverantwortung festzulegen.

Bevor es derart ans Eingemachte geht, steht allerdings erst mal das Problemwolf-Thema auf der Berliner Politik-Agenda. Was da derzeit in der Praxis abgeht, zeigte eben ein Beispiel aus dem Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt: Nachdem eine Autofahrerin einen Jungwolf schwer verletzt hatte, wurde erst einmal ein Team aus Polizei und Wolfkompetenzzentrum, einem Tierarzt und einem Betäubungsschützen sowie einem Schweißhundführer gebildet. Der Revierpächter kam auch noch dazu. Wer am Ende den Fangschuss abgab, bleibt streng geheim.

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