Die Ranger und das Rotwild

Neuer Zündstoff für die Rotwild-Debatte: Rund um den bayerischen Königssee wurden dutzendweise verendete Hirschkälber gefunden. „Wildes Bayern“ hat die Nationalpark-Förster im Verdacht. 

Rotwild Alttier mit zwei Kälbern

Foto: RitaE

Der hochkarätig besetzte Verein „Wildes Bayern“ fährt schwere Geschütze auf: „Verhungerte Hirschkälber säumen zu Beginn der Wandersaison das Ufer des Königssees. Experten überlegen, ob wohl die Jagdpraxis im Nationalpark zu der Tiertragödie geführt hat.“

Die Biologin Dr. Christine Miller ist sicher, dass es hier nicht um natürliche Ausleseprozesse geht: „Diese Kälber waren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verwaist, das heißt, sie mussten sich ohne ihre Muttertiere durch den Winter schlagen. Das endet für die Kälbchen im Gebirge fast immer tödlich.“

Frau Miller erinnert in diesem Zusammenhang an die beharrliche Weigerung der Nationalparkverwaltung, die Abschussstatistiken offen zu legen: „Wir befürchten, dass es im Park wichtiger erscheint, viel zu schießen als sorgfältig sicherzustellen, was man erlegt und warum. Da kann es dann passieren, dass Hirschkälber ihre Mütter verlieren und so einem langsamen, qualvollen Tod ausgeliefert werden.“

Aus dem Nationalpark-Büro kommt energische Widerrede: „Im Nationalpark Berchtesgaden werden die jagdrechtlichen Vorgaben bei der Wildbestandsregulierung berücksichtigt. Es hat im Gebiet des Nationalparks keinen Abschuss von führendem Rotwild gegeben. Bei der gesetzlich verpflichtenden Wildbestandsregulierung hat der Tierschutz ebenso wie der Muttertierschutz für die Nationalparkverwaltung oberste Priorität.“

Außerdem heißt es in der Stellungnahme, sei die Parkverwaltung immer gesprächsbereit. Und die Abschusszahlen seien frei zugänglich auf den Internetseiten des Nationalparks nachzulesen. Die Angriffe durch „Wildes Bayern“ also unbegründet: „Mit den schwerwiegenden Vorwürfen werden unsere gut ausgebildeten Berufsjäger sowie weiteres Personal der Nationalparkverwaltung unter Generalverdacht gestellt.“

Mit der Suchfunktion sind die Abschusspläne allerdings auf den Nationalparkseiten nicht zu finden. Auch nicht in der Antwort des Umweltministers auf eine Landtagsanfrage des CSU-Abgeordneten Peter Winter. Dafür gibt’s die Pressemeldung, dass Nationalpark-Förster die „Ranger-Olympiade“ im französischen Park Les Contamines-Montjoie gewonnen haben: „Berchtesgadens Nationalpark-Ranger wieder die erfolgreichsten der Alpen“. Auch beim Schießen.

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