Die Windkraft und das Insektensterben

Da droht wohl die nächste sinnfreie Öko-Debatte: Jährlich zerschellen Insekten mit einem Gesamtgewicht von 1.200 Tonnen an den Rotoren deutscher Windkraftanlagen. Sogar der Nabu findet die Aufregung darüber „völlig an den Haaren herbeigezogen“.

Windräder

Foto: hpgruesen

Der Glaubensstreit um die Windkraft zeigt das Dilemma der Energiewende: Da wächst die Angst vor vermeintlich schädlichen Strahlen. Dort sorgen sich Bürger in Windparknähe um ihren Schlaf. Und andernorts jubeln Umwelt-Initiativen, wenn in der Nähe geplanter Windparks seltene Vögel wie der Rotmilan nisten.

Und nun auch noch die Insekten: Die Schätzung von 1.200 Tonnen Todesrate jährlich kommt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dort kümmern sie sich auch deswegen um das Thema, weil Insektenleichen die Aerodynamik von Flugzeugen negativ beeinflussen. Und zur Ehrenrettung der Wissenschaftler ist zu erwähnen, dass sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass ihre Zahlen keine Erklärung für das Insektensterben im Allgemeinen sein sollen.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ verweist dankenswerterweise auf den Umstand, dass allenfalls fünf Prozent der Insekten, die Windräder passieren, dies nicht überleben. Und auch darauf, dass der durchaus dramatische Einbruch bei den europäischen Vogelbeständen ebenfalls nicht mit dem Schwund durch Windenergieanlagen zu erklären ist.

In weniger gründlichen Medien kommt das Forschungsergebnis allerdings nicht so unaufgeregt rüber – und meist ohne jeden Hinweis, dass der Energiepflanzenanbau für Biogasanlagen und der Ausbau letzter Wasserkraft-Reserven das Insektenleben weit mehr beeinträchtigen als der Verlust durch Windräder. Unerwähnt bleibt ebenso, dass selbst der NABU für eine realistische Einordnung mit dem Hinweis sorgt, dass Vögel in Deutschland jährlich rund 400.000 Tonnen Insekten fressen.

Dennoch dürfen interessierte Beobachter gespannt sein, wann und wie das Thema demnächst die „Sozialen Medien“ erreicht – und vielleicht sogar die Klageschriften gegen den Bau von Windkraftanlagen. Aber die Abwehrsprays gegen Stechmücken werden sich trotzdem weiter ebenso gut verkaufen wie Giftpulver gegen Ameisenbefall auf der heimischen Terrasse.

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