Die Wölfe und die Ahnenforschung

Kaum ein Wolfsthema sorgt für hitzigere Diskussionen als der Streit um den Anteil der Mischlinge an der aktuellen europäischen Population. In Zeiten hochpräziser Methoden der Gen-Analyse nur schwer begreiflich.

Labor

Symbolbild: jarmoluk

Mittlerweile werden Tote ausgegraben, um nach Jahrzehnten Vaterschaftsnachweise zu führen. In der Kriminaltechnik reichen minimale Spuren für DNA-Analysen. Nur die Frage, ob jeder Wolf ein echter Wolf ist, scheitert regelmäßig an den wissenschaftlichen Möglichkeiten.

Weidetierhalter müssen zähneknirschend hinnehmen, dass ihnen nach Wolfsrissen Entschädigung verweigert wird, weil in den Tatort-Proben auch ein paar Hundegene gefunden wurden. Obwohl Hundegene vermutlich auch in reichlich Wölfen vorkommen.

Solche Realität könnte glauben machen, dass die DNA-Analysetechnik zum Wolf in einer anderen Welt angesiedelt ist als die sonst üblichen Verfahren. Kurz aufhorchen lässt da allenfalls, wenn aus Ländern mit weniger aufgeregter Wolfsdebatte Forschungsergebnisse zum Mischlingsanteil öffentlich werden – wie zuletzt aus Dänemark.

In Schweden, auch von der Härte der Auseinandersetzung her durchaus mit der deutschen Debatten-„Kultur“ vergleichbar, musste ein namhafter Sachverständiger eben zugeben, dass sich dort bisher niemand die Mühe machte, die Genetik der ursprünglichen Wolfspopulation zu erkunden. Gelegenheit dazu gäbe es: Die Schädel der letzten eindeutig echten Schweden-Wölfe, die in einem Zoo überlebten, sind noch vorhanden.

Es sind solche Umstände, die den Hybrid-Thesen Auftrieb geben. Auch in Deutschland, wo das „Nationale Referenzlabor“ seine Analysen mit Vergleichsmaterial anstellt, das gerade mal bis zur letzten Jahrhundertwende zurückreicht. Der Verdacht, dass da Herrschaftswissen missbraucht werden könnte, ist ein gutes Stück weit hausgemacht.

Spannend, aber nicht verwunderlich, dass der Landrat des bayerischen Landkreises Oberallgäu die Genproben nach den ersten Wolfsrissen auch an ein Labor in Österreich geschickt hat. Nicht teurer als das deutsche Referenz-Labor, aber deutlich schneller bei der Bearbeitung.

Mehr als ein Nebenkriegsschauplatz ist da auch die schärfer werdende Auseinandersetzung um mehr Wettbewerb zwischen den Laboren. Im Focus das Institut „Forgen“ in Hamburg mit besten Referenzen aus der Kriminaltechnik. Institutsleiterin Dr. Nicole von Wurmb-Schwark sorgt in der Wolfsgemeinde regelmäßig für Schnappatmung. Etwa mit dem Satz auf einem Symposium in Kloster Banz zur Frage, ob Genproben-Entnahme schon nach wenigen Tagen sinnlos sei: „Sonst gäbe es ja auch keine Mordfälle, die nach 30 Jahren anhand neuer DNA-Befunde aufgeklärt werden können.“

Wenn so im Anti-Wolf-Lager der Verdacht gedeiht, dass es führende Kräfte der Gegenseite so genau gar nicht wissen wollen, liegt die Ursache auf der Hand. Für die dringend gebotene Sachlichkeit der Debatte wäre es höchste Zeit, dass das Referenzlabor seine Geheimniskrämerei nicht erst unter dem Druck von Parlamenten überdenkt.

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