Forschungsergebnis: Ohne Jagd geht es nicht!

Ein Forschungsprojekt der Universität Rostock kommt zu dem Ergebnis, dass eine kontinuierliche Bejagung zwingend notwendig ist, um des Wildschweinproblems in Städten Herr zu werden.

Wildschwein

Foto: Benedikt Füchter

Die Universität Rostock hat gemeinsam mit der Rostocker Stadtverwaltung nach fünf Jahren Forschungszeit ein Projekt erfolgreich abgeschlossen, das sich mit der Lösung der Wildschweinproblematik in Städten beschäftigt. Das Ergebnis des wissenschaftlich basierten Abwehrprogramms: Um die Schwarzkittel dauerhaft aus den Städten zu vertreiben, müssen sie zwingend dauerhaft bejagt werden.

Das Projekt startete einer Pressemeldung der Universität Rostock zufolge bereits im Jahr 2012. Zu dieser Zeit galten die Rostocker Stadtteile Markgrafenheide und Hohe Düne als Problembezirke, in denen Wildschweine viele Schäden anrichteten. Durch eine intensive und zielgerichtete Bejagung im Rahmen des Projekts konnten die Wildschweine dort komplett vertrieben werden. „Der Stadtteil Markgrafenheide ist genau seit dem 8. Dezember 2013 wildschweinfrei“, sagt Jäger und Biologe Dr. Hinrich Zoller, Leiter des Forschungsprojekts vom Institut für Zoologie der Universität Rostock. Auch der angrenzende Stadtteil Hohe Düne sei seitdem frei von Schwarzkitteln.

Bis es so weit war, sind um Markgrafenheide 79 Tiere erlegt worden. Seitdem gilt das Gebiet als wildschweinfrei. Allerdings müsse man dran bleiben und die Bejagung fortführen, sagt Zoller. Denn im Dezember 2016 hatten sich wieder drei Wildschweine in dem Gebiet eingefunden. Bevor diesem Beispiel noch mehr Schwarzkittel folgen konnten, wurden sie durch den Revierförster zur Strecke gebracht.

In Rahmen des Projekts, das durch die Hansestadt Rostock und das Schweriner Landwirtschaftsministerium co-finanziert wird, haben Biologen der Universität Rostock das Verhalten des Schwarzwilds in der Hansestadt genau unter die Lupe genommen. Sie erforschten mithilfe von GPS-Technik die Bewegungen der in der Region beheimateten Rotten und untersuchten die entstandenen Schäden in Gärten, Parkanlagen, Wiesen und Feldern genauer. Anhand dieser Daten entwickelten sie dann verschiedene Bejagungsstrategien, um so das geeignete Konzept zu finden, das funktioniert. Denn die Bejagung der Schwarzkittel sei nicht sehr einfach, da sie sehr anpassungsfähig seien, was die Jagdmethoden betrifft. „Die kriegen genau mit, wo es knallt, wissen, wo dann der Jäger bei Mondschein sitzt“, meint Zoller. Bei Helligkeit kämen die Schweine oft schon gar nicht mehr aus dem Dickicht hervor.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Forschungsprojekts ist außerdem die Aufklärung der Bevölkerung. „Wir warnen davor, die Tiere zu füttern, und raten dazu, Grundstücke einzuzäunen“, sagt Biologe Zoller.

Bestandsreduzierung alternativlos

Auch Stadtforstamtsleiter Jörg Harmuth ist überzeugt von dem Projekt und dankbar, dass es von der Universität im Bereich Rostock umgesetzt wurde. Er sagt, das Projekt sei für jeden erkennbar ein absoluter Erfolg. Denn „die Bereiche, in denen wir das Projekt gemeinsam durchgeführt haben, sind frei von Schwarzwild“, so der Forstamtsleiter.

Das Projekt sei sehr aufwendig und zeitintensiv gewesen, heißt es in der Pressemitteilung. Zunächst seien die ausgewachsenen Bachen gefangen und betäubt worden, um sie mit einem GPS-Sender auszustatten. Dann hätten die Forscher verfolgt, wo sich die Tiere aufhielten und auf welchen Routen sich die Rotten in der Stadt bewegten. So sei ein nachhaltiges Jagdkonzept entstanden, das städtische Bereiche dauerhaft frei von Schwarzwild halte.

„Die Reduzierung des Schwarzwildbestandes besonders in den ortsnahen Bereichen ist ohne Alternative – auch das mussten wir im Projekt lernen“, sagt Forstamtsleiter Harmuth. Auch die Erkenntnis, dass mehr Zusammenarbeit zwischen Stadt und Jagdausübungsberechtigten notwendig sei, sei ein weiteres Ergebnis des Forschungsprojekts. Die Schwarzwildschäden in den Städten ließen sich nicht allein über Gefahrenabwehr in befriedeten Bezirken verhindern, sondern ein konsequentes Mitziehen der jeweiligen Jagdausübungsberechtigten sei zwingend erforderlich. Im Bereich des Stadtforstamtes hätte diese Strategie effektiv funktioniert, die Resultate auf anderen Jagdflächen bliebe abzuwarten.

Wildschweine

Foto: Ryszard Adamus

Auch wenn das Projekt der Forscher in diesem Monat endet, sorgen die Ergebnisse dafür, dass die Stadt an der Bejagung festhält. Aktuell werden die Schwarzkittel in dichter besiedelten Gebieten der Hansestadt – wie Gehlsdorf, Dierkow, Ölhafen und Toitenwinkel – bejagt. Dort gestaltet sich die Bejagung allerdings noch etwas schwieriger, wie Zoller verrät: „Die Tiere müssen aus Sicherheitsgründen gefangen und können erst dann erlegt werden.“

Warum eine Reduzierung des Schwarzwildbestands überhaupt notwendig ist, liegt auf der Hand. Allein auf städtischen Flächen des Grünamtes in Rostock seien durch Wildschweine Schäden in Höhe von 100.000 Euro entstanden, sagt Zoller. Außerdem sei die Wildschweinpopulation in den vergangenen Jahren explosionsartig angestiegen. Und dies habe nicht nur Folgen für Grünflächen in der Stadt oder für die Landwirtschaft, auf die wachsende Population seien auch gestiegene Zahlen von Wildunfällen und die erhöhte Gefahr eines Ausbruchs der afrikanischen Schweinepest (ASP) zurückzuführen.

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