Haustiere als gefährliche Fressfeinde

Katzen und Hunde sind in der Brut- und Setzzeit eine Gefahr für den Nachwuchs vieler Wildtiere. Jäger und Naturschützer versuchen, Haustierhalter wachzurütteln und zu sensibilisieren.

Freilaufender Hund

Symbolbild: Ulrike Mai

In der Brutzeit haben es Vögel besonders schwer. Eine ungünstige Witterung, immer weniger Insekten als Nahrungsquelle, aber auch die vermeintlich zahme Katze sind für brütende Vögel und ihren Nachwuchs eine Gefahr. Jäger Lothar Zettler und Naturschutzbeauftragter Ottmar Frimmel aus Schwaben appellieren jetzt an die Tierliebe von Katzen- und Hundebesitzern, berichtet der Bayerische Rundfunk.

Kaum ist der Hund von der Leine, erkundet er schnüffelnd seine Umgebung. Oftmals gehen sie dabei ihrem Jagdtrieb nach. Dabei kommt es vor, dass Rehe angefallen, zu Tode gehetzt und von ihrem Nachwuchs getrennt werden. Auch bodenbrütende Vögel werden leicht aufgeschreckt und verlassen ihre Nester. Teilweise kommen die aufgescheuchten Tiere nicht mehr zu ihrem Nachwuchs zurück. 

Freilaufende Katzen hätten es vor allem auf bodenbrütende Vögel abgesehen, sagt Jäger Lothar Zettler. „Wenn man sich das vorstellt: Man geht heute davon aus, dass in Mitteleuropa über hundert Millionen Singvögel pro Jahr von den braven, zahmen Stubentigern gefressen werden.“ Bei den Zahlen handelt es sich um Schätzungen. In seinem Jagdrevier an der Günz (Schwaben) kann der Jäger das Katzenverhalten aber beobachten. Die meisten Katzen hätten es auf Vögel abgesehen, die sich nahe am Boden aufhalten. Auch vor Amseln, Rotkehlchen oder Blaumeisen machten sie nicht Halt.

Der Naturschutzbeauftragte im Landratsamt Günzburg, Ottmar Frimmel, äußerte sich ebenfalls kritisch: „Es gibt Zahlen, da geht man davon aus, dass in einem Jahr eine Katze, die wirklich verwildert ist und sich draußen ernährt, 365 Vögel frisst. Die nimmt Nester aus, dann sind es mal am Tag fünf, sechs Junge auf einmal. In der Zeit, wenn die Vögel so halb-flügge aus den Nestern kommen, haben die Katzen eine Riesenchance.“

Beide appellieren jetzt an die Tierliebe der Halter. Laut Frimmel sollten sich Katzen im Nahbereich des Hauses aufhalten. Hundehaltern rät er, ihre Hunde in der Brut- und Setzzeit anzuleinen. Auf viel Verständnis der Katzen- und Hundehalter trafen Frimmel und Zettler bisher allerdings nicht. Viele machten sich schlicht keine Gedanken. „Die wissen gar nicht um die Problematik, was sie machen, wenn sie einen Hund springen lassen. Die muss man informieren und vielleicht mehrfach aufklären“, sagte Zettler.

Das Problem ist nicht neu. Der Deutsche Jagdverband macht jedes Jahr auf die Gefahren freilaufender Hunde für Wildtiere in der Brut- und Setzzeit aufmerksam und veröffentlichte hierzu eine Info-Broschüre (wir berichteten). In der Schweiz haben sich kürzlich Jagd und Kantonalverband für eine Imagekampagne für Hundehalter verbündet (wir berichteten).


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