Jäger fordert: Sofortige Schonzeitaufhebung für Waschbären!

Der Vorsitzende der Jägervereinigung Oberhessen ist verärgert über die Untätigkeit der Regierung und appelliert direkt an die Umweltministerin Priska Hinz (Grüne). Gemäß EU-Verordnung sei das Management von Waschbären längst überfällig.

Waschbär auf Raubzug

Symbolbild: 12019

Klein, possierlich, aber auch sehr hungrig: Waschbären bedrängen die heimische Tierwelt. In Hessen gilt seit der letzten Jagdgesetznovelle eine mehrmonatige Schonzeit. Dem ersten Vorsitzenden der Jägervereinigung Oberhessen reicht es nun mit der erzwungenen Untätigkeit. In einem Schreiben, welches der Redaktion vorliegt, wendet sich Helmut Nickel direkt an die zuständige hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne). Er beantragt für den vom ihm gepachteten Jagdbezirk die Aufhebung der Schonzeit für Waschbären. Der Schutz führender Elterntiere bleibe davon unberührt.

Nickel belässt es aber nicht bei der bloßen Forderung, sondern liefert eine umfassende Begründung für seinen Antrag. Der Waschbär sei in einer Auflistung der EU enthalten, welche die Tierart als gebietsfremd und invasiv deklariert (wir berichteten). Für derartige Tiere müssten innerhalb von 18 Monaten Managementmaßnahmen in das jeweilige nationale Recht der Mitgliedstaaten integriert werden. Management umfasse dabei auch die Bejagung, um die Population einzudämmen oder zu kontrollieren.

Ab Februar 2018 hätten diese Maßnahmen fixiert werden müssen – wurden sie aber nicht. So gilt in Hessen nach wie vor die umstrittene Verordnung zum Hessischen Jagdgesetz (wir berichteten), in der „besonders restriktive Schonzeitfestlegungen“ enthalten seien, so Nickel.

Der Jäger kritisiert in seinem Schreiben weiterhin, dass er schon Anfang 2017 mit seinem Antrag auf Schonzeitaufhebung gescheitert sei. Er wurde vertröstet, dass „konkrete Management-Konzepte erarbeitet würden“, die sich noch in der „Abstimmungsphase“ befinden würden. Trotz Ablauf der oben genannten Frist gäbe es keine Veränderungen.

Waschbären gelten als invasive Neozoen, die in die Ökosysteme Mitteleuropas eingeschleppt wurden. Aufgrund ihrer Geschicklichkeit und Intelligenz besetzen die Tiere diverse ökologische Nischen und richten enorme Schäden an. Das Verbreitungsgebiet der Tiere wächst von Jahr zu Jahr (wir berichteten), Jäger und Naturschützer sehen sich also gezwungen härtere Maßnahmen zur Bekämpfung der Tiere zu ergreifen. Hin und wieder stolpert man dabei über die eigenen „ideologischen Füße“, wie dieser kuriose Fall von Waschbären und Kröten zeigt.

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