Jagddruck hilft den Watvogel-Beständen

Das dürfte Ärger geben: Deutsche Vogelkundler pilgern auf die schwedische Insel Öland, um die erstaunliche Wirkung der Prädatorenjagd auf die Watvögelbestände zu studieren. Die gedeihen prächtig, seit dort Raben, Krähen, Fuchs und Dachs im großen Stil kurzgehalten werden.

Watvögel

Foto: BurkhardLueling

Zu den Delegationen der Forscher, die in den letzten Monaten auf die Ostsee-Insel reisten, gehört auch eine Gruppe von Ornithologen aus Deutschland. Sie erfuhren Erstaunliches: Während die Watvogelbestände auch in Schweden durch die Bank abnehmen, ist die Entwicklung auf Öland deutlich gegenläufig. Etwa bei sonst bedrohten Arten wie der Uferschnepfe.

Der Hintergrund der guten Nachricht: Im südlichen Teil der Insel wird seit vier Jahren verschärft auf kleine Beutegreifer gejagt: 5.700 Füchse, Dachse, Raben und Krähen blieben auf der Strecke. Und das gegen anfänglichen Widerstand nicht nur von Naturschützern und Jagdgegnern, sondern auch von Behörden.

Nun ist der Erfolg für den Artenschutz so offenkundig, dass das Experiment weitere vier Jahre lang fortgesetzt werden soll. Im Gespräch ist sogar die finanzielle Förderung mit Steuermitteln. Mit bezahlten „Wildhütern“ hätte der Einsatz, den die Jäger unentgeltlich leisteten, nach offiziellen Berechnungen gut 200.000 Euro gekostet.

Unbestritten ist mittlerweile jedenfalls der Zusammenhang zwischen verstärktem Jagddruck auf Prädatoren und der Erholung der Watvogelbestände: Die gehen nämlich in den übrigen Uferbereichen der Insel weiter zurück, wie auch in anderen vergleichbaren Gebieten.

Die zuständige Umweltbehörde hat die Fortsetzung des Projekts ausdrücklich unterstützt, obwohl es auch von dort anfänglich Widerstände gegeben hatte. Die verschärfte Raubzeug-Jagd soll sogar auf ganz Öland ausgedehnt werden. Nicht nur Vogelkundler aus anderen schwedischen Regionen zeigen großes Interesse, sondern zunehmend auch Delegationen aus dem übrigen Europa, Deutschland inklusive.

Wann die Diskussion die deutsche Öko-Szene erreicht, ist da wohl nur eine Frage der Zeit. Und es wird wieder einmal deutlich werden, dass Tierrechte und Artenschutz oft im Konflikt stehen. Wie letzthin, als schwedische Umweltbehörden den Kormoran-Massenabschuss im südlichen Küstengebiet verfügten, um bedrohte Fischarten zu schützen (wir berichteten).

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