Jagdgesetz wird wieder geändert

Wildschweine im Feld

Foto: Ryszard Adamus

In Baden-Württemberg soll das vom ehemaligen grünen Agrarminister Alexander Bonde gemachte Jagd- und Wildtiermanagementgesetz schon wieder geändert werden. Der neue Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) setzt damit die ersten Punkte aus dem „grün-schwarzen“ Koalitionsvertrag um. Die Jägerschaft dürfte sich ein Lächeln kaum verkneifen. Das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz wurde massiv bekämpft, am Ende aber erfolglos.

Der Änderungsentwurf wurde jetzt auf den Weg gebracht und soll nach der Sommerpause möglichst schnell die nächsten Hürden nehmen, meldet der Landesjagdverband Baden-Württemberg. Spätestens zum 1. Januar 2017 solle das Gesetz dann in Kraft treten. Der Nabu kritisierte die Änderung prompt. Zwar halte sich Hauk damit „eins zu eins an den Koalitionsvertrag“, sagte der Nabu-Jagdreferent Johannes Enssle. Doch natürlich seien die Änderungen „völlig unnötig und lediglich Ausdruck eines Zugeständnisses an die Jägerschaft“. Dagegen kontert Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann in einer Pressemiteilung: „Wer wie der NABU Vogelfutter für Wildvögel vertreibt, sollte nicht mit dem Finger auf innerhalb enger gesetzlicher Vorgaben Rehwild fütternde Jäger zeigen. Wir Jäger fühlen uns für die Wildtiere verantwortlich. Verhungern lassen betrachten wir auch aus Gründen des Tierschutzes nicht als zeitgerechtes Wildtiermanagement.“

Der Änderungsentwurf sieht vor allem zwei Punkte vor:

§ 33 Absatz 2 Satz 3: Flächenanforderung Fütterungskonzeptionen für Rehwild – wird von 2.500 ha auf 1.500 ha gesenkt (die Flächenanforderungen für andere Schalenwildarten bleiben unverändert bei 2.500 ha).  

§ 41 Absatz 2 Satz 2: Schwarzwildbejagung im Wald im März bei Schneelage: Danach soll die Jagd auf Schwarzwild im März bei geschlossener oder durchbrochener Schneedecke nicht nur im Feld und in einem 200-m-Waldstreifen möglich sein, sondern im gesamten Wald und im Offenland. Der meteorologische Begriff „durchbrochen“ bezeichnet eine Schneedecke, die mehr als 50 % bedeckt. Eine Kirrung soll weiterhin nicht möglich sein.

Rolle rückwärts

Die Änderungen im Gesetz zeigen deutlich, wo die größten Mankos aufgedeckt wurden. Immer wieder wurde von zu hohen Schwarzwild-Beständen und massiven Schäden in der Landwirtschaft berichtet. Dementsprechend zufrieden äußerte sich auch Forstminister Peter Hauk: „Wir beginnen zügig und verlässlich damit, den grün-schwarzen Koalitionsvertrag umzusetzen. Es ist mir ein besonderes Anliegen, das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz wie vereinbart weiterzuentwickeln. Wir wollen dabei Anpassungen in Bereichen vornehmen, in denen sich in der Praxis punktuell Änderungsbedarf gezeigt hat. Angesichts hoher Schwarzwildbestände schaffen wir für die Jägerinnen und Jäger eine unbürokratische Möglichkeit, dass Wildschweine im März bei günstigen Schneelagen auch im Wald bejagt werden können.“ Und auch zu den Änderungen bei der Jagd auf Rehwild bezieht Hauk Stellung: „Damit wollen wir es den Jägerinnen und Jägern ermöglichen, auf lokale Besonderheiten flexibel zu reagieren. Wenn beispielsweise durch starke touristische Nutzung Rehwild im Winter aufgeschreckt wird und dadurch mehr Energie verbraucht, soll es einfacher möglich sein, ein Fütterungskonzept zu erstellen.“

Hauk kündigte außerdem an, dass es weitere Änderungen geben solle, allerdings erst in einem zweiten Schritt. Das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz werde weiter evaluiert und an die Erfordernisse angepasst. Das dürfte auch dem Landesjagdverband gefallen. Dr. Friedmann fordert nämlich in der Pressemitteilung des JKV: „Die Lockerung der Jagdruhezeit für Schwarzwild ist ein Schritt in die richtige Richtung, wenn auch ein größerer Schritt möglich und erforderlich wäre.“

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