Kurzer Prozess mit Problemwolf in Schweden

Nach dem dritten Hunde-Riss hat Schweden noch am selben Tag die Konsequenz gezogen und den Wolf zum Abschuss freigegeben.

Wolf in Nahaufnahme

Foto: cyberangel70

Am vergangenen Dienstag hatten die Behörden die Schutzjagd auf zwei Wölfe im Großraum Stockholm noch abgelehnt. Am Mittwoch gab es dann an der südlichen Stadtgrenze von Norrtjäle den dritten toten Hund binnen weniger Tage. Die Aufregung der Stadtbevölkerung wuchs und wuchs. Jetzt wurde der Wolf zur Schutzjagd freigegeben.

Die Frau, deren Cocker Spaniel am Mittwochmorgen beim Gassigehen starb, ist sicher: Es war ein Wolf, der seelenruhig den Spazierweg des Villen-Vororts entlanglief und dann ihren Hund schnappte – einen Meter von seiner Besitzerin entfernt. Offiziell musste erst noch per DNA-Test geklärt werden, ob ein Wolf der Übeltäter war, wie es auch in Deutschland der Fall wäre. Nur dauert der Test in Schweden meist nur wenige Stunden. So auch jetzt: Am Nachmittag war klar, dass es einer der beiden Jungwölfe war, die seit Monaten im nördlichen Ballungsgebiet der Millionenstadt umherstreifen. Die zuständige Landesverwaltung musste damit erneut über die Schutzjagd entscheiden. Noch am selben Tag wurde der Wolf zum Abschuss freigegeben. Dabei kam heraus: Das Jungtier hat nicht nur Hunde, Schafe und eine Hauskatze gerissen. Es gab auch einen „höchst beunruhigenden“ Vorfall mit einem Kleinkind, sagte der zuständige Amtschef dem schwedischen Staatsrundfunk.

Schon im Jahr 2011 kam es in dieser Region zu einer Wolfsattacke, die über Schweden hinaus für Aufregung sorgte: Zwei Wölfe schnappten sich den Haushund einer jungen Frau, die mit dem Kinderwagen spazieren ging. Danach lief eines der Raubtiere auf die Frau zu. Sie holte in Panik ihr Baby aus dem Wagen, hielt das Kind über ihren Kopf und schrie aus Leibeskräften. Der Wolf trollte sich. Danach wurde die Gegend wolfsfrei geschossen – mit dem Segen der Behörden. Das sogenannte Riala-Revier gilt seither als Problemfall. Lange dachten die Experten – auch in Schweden–, dass Wölfe derart dicht besiedelte Gegenden meiden.

Im vergangenen Frühjahr war klar: Das mit der Großstadt-Scheu der Raubtiere stimmt so wohl nicht. Die neuen Riala-Wölfe kamen aus der einsamen Gegend um Trysil, einem norwegischen Wintersport-Ort nahe der schwedischen Grenze. Eigentlich ein Paradies für Wölfe, fast menschenleer, mit viel Wild in den ausgedehnten Wäldern.

Nach Wolfssichtungen mitten in Siedlungen wächst der Druck aus der Bevölkerung

Warum sich die Jungwölfe aus der Wildnis auf den weiten Weg nach Stockholm (rund 400 Kilometer Luftlinie) machten, ist den Experten ein Rätsel. Irgendwie scheint die Vorort-Idylle zwischen Schären und gepflegten Wäldern die Tiere wie magisch anzuziehen. Obwohl sie dort besonders gefährlich leben: Nachdem Wolfssichtungen mitten in den Siedlungen wieder an der Tagesordnung sind, wächst der Druck aus der Bevölkerung. Mindestens einmal fielen sogar nächtliche Schüsse, obwohl die Wölfe auch in Stockholm strengstens geschützt sind. Die örtliche Tageszeitung veranstaltete aktuell eine Umfrage. Es ist nur noch eine knappe Leser-Mehrheit (56 Prozent), die nichts gegen Wölfe hat. Fast schon wie auf dem Land, wo die Raubtierfrage die Gesellschaft längst in zwei etwa gleichgroße Lager spaltet.

Die schwedischen Wolfsskeptiker fühlen sich nun bestätigt. Sie behaupten schon lange, dass sich die Stimmung im Königreich drehen wird, wenn die Wölfe erst mal durch Stockholm streifen.

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