Neues Wolfsmanagement vorgestellt

Wolf

Foto: Dieter Hopf

Das Landwirtschaftsministerium Schleswig-Holstein hat das neue Wolfsmanagement vorgestellt. Das Ergebnis ist in Zusammenarbeit mit Schafhaltern, Forstwirtschaft, Jägern und Naturschützern entstanden, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums. Zu den Neuerungen zählen eine behördliche Basis, mehr Wolfsbetreuer, neue Regeln bei der Entschädigung und Lösungen beim Umgang mit verletzten Wölfen. 

Erarbeitet wurde das neue Wolfsmanagement an einem „Runden Tisch“. Landwirtschaftsminister Robert Habeck gibt sich zufrieden: „Mit dem neuen Management schaffen wir eine breit akzeptierte Basis für den weiteren Umgang mit dem Wolf. Die ist angesichts der schwierigen Debatten und der unterschiedlichen Interessen besonders wertvoll. Und es ist der Bereitschaft aller zu konstruktiven Lösungen zu verdanken.“ Bei der Pressekonferenz in Kiel stellte der Minister diese Lösungen gemeinsam mit dem Landesverband der Schleswig-Holsteinischen Schafzüchter, dem NABU und dem Koordinator der Wolfsbetreuer vor. 

Wer bei der offiziellen Verlautbarung allerdings fehlte, war ein Vertreter der beteiligten Jäger. Was sagt der Landesjagdverband Schleswig-Holstein zu den neuen Punkten des Wolfsmanagements? Wir haben Vizepräsident Andreas-Peter Ehlers gefragt.

Entschädigungszahlungen

Die Entschädigungszahlungen waren nach EU-Wettbewerbsrecht bisher auf maximal 15.000 Euro pro Betrieb innerhalb von drei Jahren begrenzt. Da diese Grenze in der jüngsten Vergangenheit häufiger erreicht und sogar überschritten wurde, wird das Ministerium die Aufhebung der Grenze beantragen. Das heißt jedoch auch, dass beispielsweise Tierarztkosten nach einem Wolfsangriff nur noch zu 80 Prozent vom Land ersetzt werden können. 

Die Schäden berechnen sich künftig nach einem Verfahren, über das gemeinsam entschieden wurde. Die Tierhalter werden zudem zum Mitwirken verpflichtet: Sie müssen potenzielle Wolfsrisse spätestens am Tag danach melden und dürfen getötete Tiere nicht bewegen, bis sie ein Wolfsbetreuer untersucht hat. Die Bissspuren müssen sorgfältig von den Behörden überprüft und Proben genommen werden. Nur so kann man zuverlässig feststellen, ob wirklich ein Wolf für den Angriff verantwortlich ist. 

Andreas-Peter Ehlers: „Bei den Entschädigungszahlungen sehe ich noch Entwicklungspotenzial. Die angesprochenen Punkte sind gut und richtig, aber weitere müssen folgen.“

Umgang mit verletzten Wölfen nach Unfällen

Heiß diskutiert wurde der Umgang mit Wölfen, die bei Unfällen verletzt werden. Unter welchen Bedingungen ist eine Nottötung aus Tierschutzgründen möglich? Die Tötung der vom Bundesnaturschutzgesetz streng geschützten Wölfe ist ein heikles Thema, nicht nur in Deutschland (wir berichteten). Grundsätzlich darf man sie nicht töten – das Land Schleswig-Holstein hat allerdings zusammen mit der Tierärztekammer und den Veterinärbehörden über einen rechtssicheren Weg abgestimmt. Polizei und Tierärzte sollen eine Ausnahmegenehmigung für die Tötung erhalten, wenn ein Wolf so schwer verletzt ist, dass er sich nicht mehr selbstständig von der Unfallstelle wegbewegen kann. Ein Tierarzt muss nicht zwingend anwesend sein.

Andreas-Peter Ehlers: „Für Wölfe, die nach Unfällen verletzt wurden, sind die Polizei und das Kreisveterinäramt zuständig. Auch wenn ihnen sicher der jagdliche Hintergrund fehlt, bin ich mit dieser Lösung zufrieden. Es ist eben deren Aufgabe, wir Jäger halten uns da raus. Wenn es zu einem Unfall mit einem verletzten Wolf kommt, gibt es nun eine klare Regelung, wer verständigt werden muss. Wir befinden uns beim Wolfsmanagement insgesamt in einem politischen Prozess, das letzte Wort ist darüber also noch nicht gesprochen. Die Ausnahmegenehmigung für Veterinäre und Polizei ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.“

Mehr Wolfsbetreuer

Seit 2015 ist die Rolle des Wolfsbetreuers im Land fest etabliert. Nun wurden neue ehrenamtliche Wolfsbetreuer geschult, und ihre Zahl damit von 40 auf 70 erhöht. Laut Habeck sei die Unterstützung der unentgeltlich arbeitenden Wolfsbetreuer besonders wertvoll. Haushaltsmittel für das Umweltministerium in Höhe von 100.000 Euro sollen das Wolfsmanagement zusätzlich unterstützen. 

Andreas-Peter Ehlers: „Mehr Wolfsbetreuer für Schleswig-Holstein: Es hört sich natürlich erst einmal gut an, wenn die Landesregierung so etwas bekannt gibt. Mit dem Wolf beschäftigen wir uns aber nicht erst seit gestern – auch die Wolfsbetreuer nicht. Die Wolfsbetreuer haben die unterschiedlichsten beruflichen Hintergründe und Motivationen. Viele von ihnen sind selbst Jäger, was ihnen natürlich einen kleinen Wissensvorsprung verschafft.

Durch den fundierten Wolfsbetreuerlehrgang sind sie firm und verstehen ihr Handwerkszeug. Wenn sich die Wolfsvorkommnisse wie aktuell häufen, ist es auf jeden Fall gut, dass wir mehr Wolfsbetreuer haben, die sich um die Aufklärung kümmern. Allerdings ist der Lehrgang auch ein bisschen wie ein Führerschein: Die Erfahrung muss im Alltag kommen. Erfahrene Wolfsbetreuer müssen unerfahrene an die Hand nehmen. Die bessere Zusammenarbeit der Wolfsbetreuer ist ein wichtiger Faktor für einen gelungenen Umgang mit dem Wolf. Damit allein ist es aber sicherlich nicht getan.“

Verhalten bei Begegnungen mit Wölfen

Am Runden Tisch wurden auch Empfehlungen erarbeitet, wie sich Menschen im Fall von Wolfsbegegnungen verhalten sollen. Auf gar keinen Fall dürfen sie gefüttert werden, damit sie sich nicht an den Menschen gewöhnen und zu einer Gefahr werden, wie zuletzt die Wölfe im niedersächsischen Munster (wir berichteten hier und hier). Das Fütterungsverbot findet sich nun auch im Landesnaturschutzgesetz. Die Regeln sollen mithilfe von Flyern in der Bevölkerung bekannt gemacht werden.

Andreas-Peter Ehlers: „Auch dieser Kernpunkt ist eigentlich nichts neues –zumindest nicht für uns Jäger. Vor fünf Jahren war man in der Regierung noch davon überzeugt, dass es nie zu Wolfsbegegnungen kommen wird. Das hat sich als Fehleinschätzung herausgestellt. Die Wolfsbetreuer beschäftigen sich mit wesentlich mehr Fällen, als in der offiziellen Statistik auftauchen. Der Wolf ist da, es kommt zu Berührungspunkten, und die können gefährlich werden – für Mensch und Tier.“

Mehr Wolfsbegegnungen erfordern regelmäßige Gespräche

Bisher tagte der Runde Tisch vier Mal. Weil der Wolf die Bevölkerung und die Politik aber ständig vor neue Herausforderungen stellt, werden sich die Beteiligten kontinuierlich weiter treffen. Seit 2007 gab es im Norden 29 Wolfsnachweise – doch die Zahl der Verdachtsfälle ist Ehlers’ Einschätzung nach um ein Vielfaches höher. Zudem erfordert die Zunahme von Nutztierrissen und Wolfsbegegnungen einen regelmäßigen Austausch der Beteiligten. Wie bewertet der Landesjagdverband die bisherige Zusammenarbeit?

Andreas-Peter Ehlers: „Die Zusammenarbeit war durchaus konstruktiv. Es sind alle Beteiligten zu Wort gekommen. Wenn so unterschiedliche Gruppen aufeinander treffen, ist klar, dass es auch unterschiedliche Positionen und Interessen gibt. Die Befürchtung, dass alle zwar etwas sagen dürfen, die Landesregierung aber nichts davon umsetzt, hat sich nicht bestätigt. Der Umgang war freundlich und hat gezeigt, dass eine Zusammenarbeit durchaus machbar ist. Teilweise gibt es aber noch keine konkreten Lösungen.

Das neue Wolfsmanagement bietet eher Denkanstöße, auf die man weiter aufbauen kann – aber auch muss. Das Thema Wolf ist in Deutschland sehr emotional besetzt. Es wird viel Geld dafür ausgegeben, das dann an anderen Stellen fehlt. Tierarten wie Bodenbrüter, zum Beispiel der Kiebitz, bleiben auf der Strecke. Wir sind zwar auf dem Weg zu praktikablen Lösungen, doch in einigen Punkten ist die praktische Umsetzung noch nicht optimal. Man darf nicht vergessen, dass es sich beim Wolf um ein wildlebendes Tier handelt und sollte sich deshalb auch fragen, inwiefern ‚Management’ in diesem Zusammenhang überhaupt der richtige Begriff ist.“

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