Öko-Streit um Hochwasserschutz

Bayerns Staatsregierung will unter dem Druck der Freien Wähler auf Pläne für riesige Flutpolder entlang der Donau verzichten. 

Hochwasser_Überflutete Straße

Foto: distel2610

Natur- und Artenschutz bedeutet, der Schöpfung möglichst wenig Gewalt anzutun. Bayerns Staatsregierung will unter dem Druck der Freien Wähler in diesem Sinn auf Pläne für riesige Flutpolder entlang der Donau verzichten. Unter den Kritikern der unterlassenen Naturzerstörung finden sich ausgerechnet auch Abgeordnete der Grünen.

Keine Missverständnisse: Es geht nicht um die auch ökologisch sinnvolle Forderung, den Flüssen wieder mehr Überschwemmungsflächen zu lassen. Es geht um große, künstliche Rückhaltebecken, die allein dem Zweck dienen, kurzzeitig große Wassermengen aufzunehmen und so Überschwemmungen in weit flussabwärts gelegenen Wohn- und Industriegebieten zu verhindern.

Zum Bau solcher Polder hatte sich Bayerns Staatsregierung entschlossen, als die CSU noch allein regierte und nach den Flutkatastrophen an der niederbayerischen Donau massive Forderungen nach mehr technischem Hochwasserschutz kamen. Auf einer Fläche von 50 Millionen Quadratmetern sollten bis zu 130 Kilometer oberhalb der gefährdeten Städte künstliche Kurzzeit-Stauseen angelegt werden, hinter bis zu neun Meter hohen künstlichen Dämmen.

Jäger mögen sich ausmalen, was mit den Wildtieren passiert, wenn solche Becken gezielt und plötzlich geflutet werden. Polder-Anwohner sorgen sich um das Grundwasser, in das ein Teil des Hochwassers großflächig einsickern wird. Von den großen Umweltverbänden wagt allein der BUND lauten und deutlichen Widerspruch – wie schon seit Jahrzehnten gegen die Bebauung flussnaher Flächen. Denn diesen folgt in aller Regel der Ruf nach Beton- Hochwasserschutz wie das Amen in der Kirche. Und oft gegen ökologische Vernunft.

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Es gab mal bayerische Umweltminister, die sich gegen den verhängnisvollen Kreislauf stemmten. Peter Gauweiler und Werner Schnappauf (der den Braunbären Bruno entnehmen ließ). Beide wollten dem Bauen in hochwassergefährdeten Lagen einen Riegel vorschieben und ließen Tabu-Zonen kartieren. Obwohl der Klimawandel die Risiken weiter verschärft, ist davon nur noch wenig geblieben.

Der BUND hat vorgerechnet, dass die bayerische Donau 70 Prozent der natürlichen Überschwemmungsflächen verloren hat und dass natürliche Rückhalteflächen wie Moore und Feuchtwiesen immer weniger werden. Darüber hinaus schreitet die Begradigung von Fließgewässern immer noch weiter voran – durchaus im Wissen, dass auch das die Hochwasser-Risiken verschärft. 

Der Wasserbau-Professor Peter Rutschmann – treibende Kraft für den Kraftwerksbau im FFH-Schutzgebiet der ökologisch noch einigermaßen intakten Loisach – sagt, dass die Polder den Hochwasserspiegel um 20 Zentimeter absenken werden. Zumindest, bis auch sie voll sind. Die Freien Wähler halten dagegen, dass ein Verzicht der Kraftwerksbetreiber auf maximale Stauhöhen mindestens genau so viel Schutzreserven brächte; wenn auch auf Kosten der „Öko“strom-Reserven.

Delikat: Gemeinsam mit lokalen CSU-Größen aus den niederbayerischen Hochwassergebieten haben zwei Landtagsabgeordnete der Grünen gegen den Polder-Verzicht der Regierungskoalition von CSU und Freien Wählern gewettert. Sogar unter der Gürtellinie:  Tanja Schweiger, Landrätin im vom Polder-Bau bedrohten Landkreis Regensburg und erklärte Gegnerin der Deich-Pläne, sei ja die Lebensgefährtin des Chefs der Freien Wähler. Wer Hubert Aiwanger kennt, der weiß: Sowas macht den studierten Landwirt und bekennenden Jäger erst richtig munter.

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