Offener Brief zur ASP: Reduzierung allein reicht nicht

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt näher und die Rufe nach einer intensiveren Bejagung des Schwarzwilds werden immer lauter. Die Jägervereinigung Osthessen fordert jetzt ihrerseits in einem offenen Brief an die verantwortlichen Politiker wirksamere Maßnahmen.

Frischlinge im Maisfeld

Foto: Carol Scholz

Angesichts der drohenden Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) sehen sich Jäger mit immer mehr Forderungen konfrontiert. Wie sinnvoll die von Politik und Landwirtschaftsverbänden gewollten Maßnahmen sind, stellen Jäger allerdings infrage: Die Jägervereinigung Oberhessen hat sich jetzt mit einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und Staatsministerin Priska Hinz (Bündnis 90/Die Grünen) gewandt und ihre Forderungen nach wirksameren Maßnahmen öffentlich gemacht.

In dem vom Vorsitzenden der Jägervereinigung Helmut Nickel unterzeichneten Papier werden insgesamt sieben klar formulierte Maßnahmen vorgestellt, die Verbraucher besser schützen und der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest wirksamer vorbeugen sollen, als die bisherigen Vorkehrungen der Politik.

Eine der wichtigsten Botschaften der Jäger lautet: Eine Reduzierung der Wildschweinbestände ist zwar ein wichtiger Schritt bei der Seuchenbekämpfung, reicht aber allein nicht aus. Die Gefahr der Einschleppung ginge vorrangig vom Reiseverkehr und falsch entsorgten Wurst- und Fleischresten aus. Daher seien regelmäßige staatliche Kontrollmaßnahmen nötig, wie etwa ein Einfuhrverbot von Schwarzwildfleisch aus Ländern, in denen das Virus bereits grassiert.

Es sei „geradezu skandalös, dass noch zehn Jahre nach den ersten in Osteuropa gemeldeten Schweinepestfällen deutsche Supermärkte für den Kauf ‚preiswerten Frischlingsfleischs’ aus Osteuropa werben“, heißt es in dem Brief. Auch aus anderen Ländern wird Wildschweinfleisch importiert und billig im Discounter verkauft – die Qualität ist in den meisten Fällen zweifelhaft (wir berichteten).

Währenddessen befinden sich die Preise für heimisches Wildbret aufgrund der hohen Abschussforderungen im freien Fall, es lässt sich kaum noch vermarkten (wir berichteten). Daher fordern die Jäger, den Verkauf von heimischem Wildschweinfleisch zu fördern, flächendeckend Aufwandsentschädigungen einzuführen und die Jäger bei den erforderlichen Trichinenuntersuchungen finanziell zu entlasten. Verbraucher müssten zudem besser aufgeklärt werden. „Während hier vielen Verbrauchern unbemerkt Fleisch mit fragwürdiger Qualität verkauft wird, droht Jägern und Förstern das Problem, demnächst hochwertiges Wildschweinfleisch entsorgen zu müssen“, schreiben die Jäger.

Ein weiterer Punkt, der wohl nicht nur den osthessischen Jägern am Herzen liegt: Jagdstörer, die die Jagdausübung behindern und mit Unwahrheiten gegen Jäger hetzen, sollen strafrechtlich belangt werden. Denn einerseits werde immer wieder der Ruf nach den Jägern laut, wenn es um die Bejagung des Schwarzwildes oder die Eindämmung von Seuchen geht – andererseits hätten nicht wenige Politiker immer wieder ein offenes Ohr für suspekte Forderungen der Tierrechtsszene. Die Jäger meinen: „Wer eine noch intensivere Schwarzwildbejagung fordert, muss auch sicherstellen, dass diese nicht durch naive Jagdgegner verhindert wird.“

Zusätzlich äußern die Jäger ihre Bedenken gegenüber einer möglichen Aufhebung des Muttertierschutzes. Führende Bachen, also Wildschweine, die ihre Jungen aufziehen, seien auch weiterhin von der Jagd zu verschonen. Eine Aufhebung des Muttertierschutzes verstößt aus ihrer Sicht klar gegen den Grundsatz der Waidgerechtigkeit. Auf die Rolle als bloße Schädlingsbekämpfer auf Kosten des Tierschutzes wollen sich die Jäger nicht reduzieren lassen.

Verlauf der Schwarzwildstrecke bis 2017

Grafik: jagdverband.de / Die aktuelle Jagdbilanz zeigt eine deutlich gestiegene Schwarzwildstrecke.

Aufgrund von immer größeren landwirtschaftlichen Flächen, zunehmender Wildschäden und nicht zuletzt aufgrund von Störungen durch Waldbesucher ist die Schwarzwildjagd in den letzten Jahrzehnten immer schwieriger geworden – trotzdem sind die Schwarzwildstrecken kontinuierlich gestiegen. Mit dem erhöhten Aufwand und den zunehmenden Problemen habe die Politik die Jägerschaft jedoch größtenteils alleingelassen und sie „bestenfalls noch zusätzlich mit Verordnungen gegängelt und sich nicht selten auf die Seite von Jagdgegnern geschlagen“.

Dies alles sind Worte, die die politischen Verantwortlichen wohl nicht gerne hören werden – allerdings erscheint es angesichts der drohenden Tierseuche dringender denn je, in den Dialog mit den Jägern zu treten und die Maßnahmen zu diskutieren. Es bleibt abzuwarten, ob und wie sich die grüne Landwirtschaftsministerin Priska Hinz und der Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt von der CSU zu dem offenen Brief der osthessischen Jäger äußern werden. Das Papier wurde zusätzlich noch an die Landwirtschaftsminister der anderen Bundesländer gesendet.

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