Pilotprojekt soll Schwarzwild eindämmen

In Mecklenburg-Vorpommern vermehren sich Wildschweine explosionsartig. Der Kreis Vorpommern-Greifswald erprobt deshalb ein Pilotprojekt, um die Bestände stärker zu regulieren. 

Schwarzwild

Wildschweine in Mecklenburg-Vorpommern werden vermehrt bejagt – mit teilweise unkonventionellen Methoden. Der Kreis Vorpommern-Greifswald erprobt derzeit ein Pilotprojekt, bei dem unter anderem mehr Frischlinge geschossen werden sollen. Darüber hinaus sind auch Fallen im Einsatz, in die bis zu ein Duzend Tiere hineinpassen.

Besonders Letzteres stößt in Jägerkreisen auf harsche Kritik: Die Fallen-Jagd, bei der das Schwarzwild in eine Art Gatter mit Falltür gelockt wird, ist „nicht waidgerecht“, kritisiert Ernst Weise-Pnischak, Leiter des Lehrreviers Moorgarten der Kreisjägerschaft Lübeck, das Pilotprojekt in einem Bericht der Lübecker Nachrichten. Werde eine führende Bache in einer solchen Falle erlegt, deren Frischlinge außerhalb geblieben seien, müssten diese elendig verhungern, führt Weise-Pnischak weiter an.

Marcus Börner, Sprecher des Landesjagdverbandes in Flintbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde) macht die Populationsentwicklung des Schwarzwilds sorgen: „Wir gehen von Zuwachsraten von bis zu 300 Prozent pro Jahr aus.“ Dennoch vertritt auch er eine zurückhaltende Meinung zu dem Projekt aus Vorpommern. „Im Moment sehe ich in keiner Region des Landes einen Bedarf für Fallen“, sagt er.

Wildschweine richten immense Schäden in der Landwirtschaft und an Hochwasserschutz-Deichen an. Auch Versicherungen verzeichnen Zunahmen von Wildschweinunfällen im Straßenverkehr. Daher unterstützt auch ein örtliches Versicherungsunternehmen das Pilotprojekt in Vorpommern. Um einen Anreiz für einen Abschuss von Frischlingen zwischen dem 1. April und dem 30. September zu schaffen, übernehmen sie die Kosten für die vorgeschriebene Trichinen-Untersuchung. Diese ist vorgeschrieben, weil die Fadenwürmer für den Menschen gefährlich sind. Ein Kreissprecher erklärt: Der Abschuss von Frischlingen sei eigentlich unüblich, weil es sich für Jäger wirtschaftlich nicht lohne (wir berichteten). Mit der Übernahme der Kosten könne sich dies nun ändern.

Aktuelle Abschusszahlen aus der Region belegen, dass die Situation um Ostvorpommern-Greifswald schon sehr besonders ist: 10710 Wildschweine wurden im Jagdjahr 2015/16 alleine im Kreisgebiet geschossen. Vor zehn Jahren waren es noch 8206 erlegte Wildschweine, heißt es in dem Bericht. Im Vergleich dazu liegt die aktuelle Abschusszahl bei 12556 Wildschweinen in ganz Schleswig-Holstein.

Die drohende Seuchengefahr hat der Landkreis bei dem Pilotprojekt ebenfalls im Blick: Über Polen könne die Afrikanische Schweinepest (ASP) Mecklenburg-Vorpommern relativ schnell erreichen. Vorpommern-Greifswald wäre dann als eine der ersten Regionen betroffen. Derzeit breitet sich ASP von Osteuropa nach Westen aus (wir berichteten). 

Das könnte Sie auch interessieren
Aktuell & informativ

DER OUTFOX WORLD NEWSLETTER

Aus der Natur direkt in Ihr Postfach.

Folgen Sie uns!