Problem Kormoran: „Verantwortliche Politiker schauen tatenlos zu“

Kormoran frisst Fisch

Foto: Karl-Heinz Fritschek

Wegen des „beängstigenden Zustands“ zahlreicher Fischpopulationen hat der Deutsche Fischerei-Verband Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und EU-Umweltkommissar Karmenu Vella aufgefordert, unverzüglich Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung der Kormorane zu ergreifen. Die Schäden in der Fischereiwirtschaft seien enorm und die verantwortlichen Politiker schauten tatenlos zu, beklagte die Kormorankommission des Verbands beim Deutschen Fischereitag in Potsdam.

Die EU-Vogelschutzrichtlinie sehe in Artikel 1 ausdrücklich auch die Regulierung von Vogelpopulationen vor. „Die Politik muss mit der Aufnahme des Kormorans in Anhang II der EU-Vogelschutzrichtlinie endlich die Voraussetzung für die überfällige Regulierung der Kormoranbestände schaffen“, heißt es in der Pressemitteilung des Fischerei-Verbands.

Durch die Kormorane, deren Bestände heute eine „nie bekannte Größe“ erreicht hätten, seien nicht nur Teichwirtschaften in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Auch Wiederansiedlungsprojekte für Meerforelle und Lachs (wir berichteten) hätten massiv unter dem Kormoran zu leiden. Jüngste Untersuchungen zeigten zudem, dass der enorme Fraßdruck der Kormorane die Zusammensetzung von Fischbeständen nachhaltig verändert und sich in der Folge der ökologische Zustand von Fließgewässern dramatisch verschlechtert. 

Versuche zur Verringerung der Kormoranbestände auf lokaler Ebene scheiterten laut dem Fischerei-Verband bislang an Klagen von Naturschutzverbänden. Mit Verweis auf den von Brüssel vorgegebenen Status „besonders geschützt“ lehnten Verwaltungsgerichte die notwendigen Regulierungsmaßnahmen ab. Seitens der EU-Kommission erkläre man davon unbeirrt, dass die Mitgliedsstaaten für ein Bestandsmanagement zuständig wären. Das Bundesumweltministerium verweise auf die Verantwortung der Länder und diese wiederum auf den Status „besonders geschützt“, womit sich eine Bestandsregulierung verbiete. Das Fazit des Verbands: „In diesem ,Bermuda-Dreieck' von Bürokratie, Zuständigkeiten und der Ignoranz gegenüber wirtschaftlichen sowie ökologischen Schäden bleiben seit Jahrzehnten Ziele des Fischartenschutzes und wirtschaftliche Perspektiven von Fischern und Teichwirten auf der Strecke.“

Die „Thüringer Allgemeine“ berichtete Ende vergangener Woche darüber, wie Natur- und Vogelschützer mit dem Problem Kormoran umgehen. So erklärte Burkhard Vogel, der Landesgeschäftsführer des BUND, gegenüber der Zeitung, für ihn gehöre der Kormoran zum Öko-System in Deutschland und sein Verband stehe einer Bejagung skeptisch gegenüber. „Es muss nachgewiesen werden, dass es sich um eine Beeinträchtigung im Fischbestand handelt, die primär durch den Kormoran beeinflusst worden ist“, sagte Vogel. André Pleikies, Hauptgeschäftsführer des Landesanglerverbands, wies darauf hin, dass belastbares Zahlenmaterial von der Politik und Verbänden wie Nabu und BUND nicht zur Kenntnis genommen werde. Karsten Schmidt, Präsident des Verbands Angeln und Naturschutz Thüringen, erklärte gegenüber der Zeitung: „Wir haben nicht nur eine Verantwortung gegenüber Vögeln. Aber der Einbruch in unsere Fischbestände interessiert offenbar nicht, weil man das nicht sieht und weil dieses Thema nicht so populär ist.“

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