Stadt-Wölfe leben gefährlich

Heftige Debatte in Schweden: Nachdem die Polizei kurzen Prozess machte mit einem Wolf, der mitten in einer Kleinstadt bei Stockholm sein Unwesen trieb, fordern Bürger aus dem ländlichen Raum Gleichbehandlung.

Einsamer Wolf

Foto: Tee Zett

Das Thema kocht in Schweden immer wieder hoch: Warum dauert es in den ländlichen Wolfsregionen länger als in den Ballungsräumen, bis ein auffälliger Wolf zum Abschuss freigegeben wird? Die Kritiker der staatlichen Wolfspolitik vermuten dahinter vor allem die Angst vor Wählerinnen und Wählern. Die sind in den Großstädten zwar (noch?) mehrheitlich für denWolf – aber schnell in Panik, wenn die Raubtiere durch Vorgärten streifen.

Jüngstes Beispiel: Das Städtchen Tierp am nördlichen Ende des Stockholmer Ballungsraums. Rund 5.500 Einwohner, gediegene Villen-Viertel, nah am Meer und beste Autobahnanbindung nach Stockholm. Dort geht seit Wochen ein einsamer Wolfsrüde um. Ein Amateur-Video zeigt ihn,wie er seelenruhig am hellen Tag ein Reh zerstückelt – in einem Garten im Wohnviertel.

Mittlerweile hat die Aufregung ein Ende: Der Wolf starb an einer Kugel aus einer Polizei-Dienstwaffe. Zuvor hatten die Behörden die Bevölkerung aufgefordert, Kinder und Hunde nicht mehr alleine ins Freie zu lassen. Die Video-Aufnahmen, die eindeutig zeigen, dass das Reh bei lebendigem Leibe angefressen wurde, förderten die Empörung.

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In den Provinzzeitungen und auf Landvolk-Foren häufen sich seither die wütenden Kommentare: Mit Ereignissen wie in Tierp, heißt es da, müssten die Leute in den Wolfsregionen regelmäßig klarkommen, ohne dass den Wölfen dort ein Haar gekrümmt wird. Offizielle Statistiken gibt es zwar nicht, aber der Eindruck, dass das Instrument der Schutzjagd in Ballungsgebieten großzügiger gehandhabt wird als in der Provinz, drängt sich durchaus auf.

Zum Vergleich wird gern zitiert, welchen Eiertanz es gab, als kürzlich ein schwer verletzter Wolf in der Provinz Värmland nach dem Zusammenstoß mit einem Auto über eine Stunde leiden musste, bis endlich geklärt war, dass ein anwesender Nachsuche-Jäger den Fangschuss antragen darf – und nicht auf den Raubtier-Ambulanzwagen gewartet werden muss. Mittlerweile hat die Polizeidirektion nach heftiger Kritik – auch aus Tierschützer-Kreisen – klargestellt: In einer solchen Situation darf jeder Jäger das Tier erlösen, auch einen Wolf.

Der im Städtchen Tierp „entnommene“ Wolf erfreute sich ausweislich der Filmaufnahmen bester Gesundheit. Mittlerweile wird sein Verhalten jedoch mit ausgeheilten Verletzungen am Fang und einem Hinterlauf erklärt. Gesunde Wölfe, heißt es auch in Schweden, dringen nicht in Siedlungen ein – höchstens mal Jungtiere aus purer Neugierde.

Update: Jetzt hat die Polizei schwedische Jagdgegner und Wolfsfreunde am Hals. Gegen die Beamten, die den Wolf in Tierp getötet haben, liegen Strafanzeigen vor. Begründung: Sie hätten vor dem Schuss klären müssen, ob es sich um einen "genetisch wichtigen" Wolf handelt. Erste Ergebnisse der Untersuchung durch die veterinärmedizinische Hochschule gibt es auch: Der Rüde hatte eine Bissverletzung am Hinterlauf (womöglich durch Revierkämpfe mit einem anderen Wolf) und verheilte Rippenbrüche – vermutlich vom Versuch Schalenwild zu erbeuten.

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