Union fordert wolfsfreie Gebiete

Die Hardcore-Wolfsfans werden heulen: CDU und CSU im Bundestag fordern in einem Positionspapier „Wolfsfreie Zonen“ und weniger strenge Regeln für den Abschuss von Problemwölfen. Und die Aufnahme der Raubtiere ins Jagdrecht.

Wolf trollt sich

Foto: Dieter Hopf

Einige Passagen des Unionspapiers lesen sich wie die Begründung, mit der Jäger und Bergbauern im bayerischen und württembergischen Allgäu schon lange Gebiete fordern, in denen Wölfe nichts zu suchen haben. Es geht dabei nicht nur um den Arten- und Naturschutz, der ohne Bergweide Schaden nimmt, sondern auch um Gleichbehandlung mit dem Rotwild, das in weiten Teilen Deutschlands aus wirtschaftlichen Gründen nicht geduldet wird.

Originalton aus dem Positionspapier: „Wenn aus rein wirtschaftlichen Gründen in Deutschland zum Beispiel rotwildfreie Zonen definiert werden, in denen dem Rotwild das legitime Recht auf Lebensraum abgesprochen wird, sind „wolfsfreie Zonen“ angesichts der Risiken für den Menschen, Weide- und Haustiere erst recht zu rechtfertigen.“

Wahr ist: Hirsch und Gams sind der Masse der Wolfsfreunde ziemlich egal. Rühmliche Ausnahme: Im Alpenraum kämpfen Tierschutzvereine und Jäger gemeinsam gegen die mitunter brutale Rotwild-Vernichtung. Dort gibt es auch kaum Tierrechtler-Widerstand gegen die Bergbauern-Forderung nach wolfsfreien Zonen. Dahinter steckt die Sorge, dass streng geschützte Wölfe nicht nur der Weidehaltung, sondern auch dem Schalenwild in den Bergen den Rest geben werden.

Mittlerweile gelingt auch der Schulterschluss zwischen Bergbauern im Süden und Deichschäfern im Norden: Hier wie dort ist Herdenschutz gegen den Wolf praktisch unmöglich. Hier wie dort sind artgerechte Weidetierhaltung und Artenschutz in der Kulturlandschaft bedroht.

Ebenfalls bemerkenswert: Die Unionsfraktion räumt mit dem Argument auf, dass die Wolfspopulation auf europäischer Ebene in ihrer Existenz bedroht sei. Mit jährlichen Zuwachsraten von nahezu 30 Prozent sei der Wolf keine gefährdete Art, sondern müsse im Gegenteil reguliert werden, um sein Dasein in der Kulturlandschaft zu gewährleisten.

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Die Unionsabgeordneten fordern deshalb Lockerung der Voraussetzungen für eine Entnahme: Diese soll schon dann möglich sein, wenn sich ein Wolf Nutztier-Koppeln nähert oder offenbar ohne Scheu Ortschaften aufsucht: „Wenn das Distanzgebot durch den Wolf nicht gewahrt wird, muss ein Abschuss möglich sein.“

Im Gegensatz zu nennenswerten Teilen der Jägerschaft positionieren sich die Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU auch eindeutig zur Frage, ob der Wolf ins Jagdrecht soll. Die Unionsfraktion ist dafür und verweist auf die Tatsache, dass dies nicht bedeutet, dass Wölfe ohne Auflagen bejagt werden dürfen. Auch der strenge europäische Schutzstatus würde ja weiter gelten.

Wesentlicher Unterschied: Sollten Wölfe entnommen werden müssen, sind in erster Linie die jeweiligen Jagdausübungsberechtigten zuständig. Sie müssten keine revierfremden (Staats)jäger und deren Gehilfen auf ihren Flächen dulden. Zitat aus dem Positionspapier: „Dem Jagdausübungsberechtigten ist die Durchführung der Management- oder Entnahmemaßnahmen zu übertragen.“

Dass sich viele Jäger das nicht antun werden, ahnen offenbar auch die Unionsabgeordneten: Wenn Revierinhaber sich nicht an der Wolfsjagd beteiligen wollen, stellt der Staat die Schützen. Wie schon bei der Entnahme des bayerischen Braunbären namens „Bruno“, nachdem die Jäger in Bayern und Tirol geschlossen den Vollzug der Abschuss-Anordnung verweigerten.

Der Deutsche Jagdschutzverband hat das Positionspapier in einer ersten Stellungnahme ausdrücklich begrüßt. Die mit weitem Abstand größte Jäger-Organisation im Land verweist dabei auf das rasante Wachstum der Wolfspopulation, die nach DJV-Schätzung mittlerweile bei 1000 Individuen angekommen ist.

Befürworter einer unkontrollierten Ausbreitung wollten noch vor Jahresfrist von allenfalls 300 Tieren ausgehen. Dass es mindestens 700 Wölfe sind – und damit mehr als in ganz Skandinavien – sagen mittlerweile sogar Realpolitiker der Grünen.

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