USA: Zecken saugen Elche zu Tode

In den USA und in angrenzenden kanadischen Provinzen haben Elche schwer mit Zecken zu kämpfen. Bis zu 95.000 Zecken saugen sich an einzelnen Tieren fest und sorgen so für deren Tod.

Elch mit Kalb

Foto: Dieter Hopf

In den Neuengland-Staaten im Nordosten der USA sowie in den angrenzenden kanadischen Provinzen lässt eine Zeckenplage den Bestand an Elchen deutlich zurückgehen. Im Bundesstaat New Hampshire habe sich die Population sogar halbiert, heißt es in einem Artikel auf weather.com. Bis zu 95.000 Parasiten konnten auf einzelnen Elchen gezählt werden. Zusammen könnten diese um die 45 Liter Blut saugen. Als Vergleich: Ein ausgewachsener Elch hat rund 50 Liter Blut im Körper.

Grund für die Zeckenplage sei der Klimawandel, heißt es in dem Artikel weiter. Mehr Zecken würden den Winter überstehen, da dieser in der Region kürzer und wärmer ausfalle. Zudem vermehrten sich die Parasiten explosionsartig. Ausgewachsene Elche würden durch den Befall nicht unmittelbar sterben, sondern vielmehr geschwächt. Kälber überlebten den hohen Blutverlust allerdings nicht. „Im Frühjahr sind sie nur noch ein Sack aus Haut und Knochen“, sagt Peter Pekins, Ökologe von der University of New Hampshire, der sich schon 2002 im Rahmen einer Studie mit den lokalen Elchbeständen beschäftigte. 2015/16 sowie 2013/14 starben entsprechend rund 75 Prozent der Kälber an der Zeckenplage. „In den letzten acht Jahren hatten wir fünf Ausbrüche“, sagt Peter Pekins.

In der hohen Sterberate der Tiere sieht Zoologin Kristine Rines vom Fish and Game Department New Hampshires allerdings zugleich auch die Lösung der Zeckenplage. „Weil so viele Tiere sterben, sind weniger übrig, die die Zecken verbreiten können“, sagt sie und wirft die Frage auf, ob die Elchbestände im Zuge dessen bewusst vermindert werden sollten. Wildhüter schließen sich dem an und schlagen vor, Elche in einem kleinen Gebiet intensiver zu bejagen. Nach Erreichen einer bestimmten Schwelle sollte demnach auch die Infektionsrate sinken. Wann diese Schwelle erreicht sei, ist nicht klar. Ebenfalls unsicher ist, ob sich die Elchpopulation nach deren Eindämmung wieder erholt. Ein Student des Ökologen Pekins untersuchte das Problem im Rahmen seiner Doktorarbeit. Seiner Rechnung nach würde es rund 15 Jahre dauern, um die Elchpopulation genügend einzudämmen. Würden jährlich mehr als doppelt so viele Tiere geschossen wie üblich, also 90 bis 190 Tiere anstelle von 15 bis 50, könnte die Schwelle in fünf Jahren erreicht werden.

Weitere Ergebnisse sollen aber abgewartet werden, sagt Kent Gustafson, Leiter des Wildtiermanagements des Fish and Game Department. Selbst wenn die Jagd ausgeweitet werde, sei es laut ihm „nur ein kleines Pflaster auf einer großen Wunde“. Wenn New Hampshire in 150 Jahren das Klima von Virginia habe, sähe es für die Elche nicht gut aus, „egal was die Leute heute versuchen“.

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