Was tun mit den norddeutschen Nandus?

Südlich von Lübeck leben zahlreiche wilde Nandus, die Landwirten und Naturschützern immer mehr Sorgen bereiten. Politiker und Betroffene diskutieren mögliche Lösungen.

Nandus

Symbolbild: Pixabay / sipa

Die Region in der Nähe von Ratzeburg bei Lübeck ist ein idyllisches Fleckchen Erde. Dass sich in dem Grenzgebiet von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern auch die südamerikanischen Nandus äußerst wohlfühlen, ist eigentlich nichts Neues. Bereits seit Ende der 1990er-Jahre, als einige Tiere aus einer Haltung ausbrachen, leben die Nandus dort und vermehren sich immer weiter. Mittlerweile sind es schätzungsweise fast 300 Exemplare. Doch so schön die exotischen Vögel auch anzusehen sind; sie werden immer mehr zur Plage, wie die Hannoversche Allgemeine berichtet.

Eine Gefahr für andere Wildtiere

Der Naturschutzbeauftragte des Kreises Herzogtum Lauenburg, Thomas Neumann, sagte gegenüber der Zeitung: „Auf den Wiesen sollten Rebhühner brüten und Feldlerchen, an dem kleinen Weiher Kraniche und Graugänse. Heimische Tiere, die in die Landschaft gehören.“ Stattdessen sehe man überall Nandus. „Das hier ist ein Freilandzoo geworden.“ Bei Kranichen und Rebhühnern bleibe mittlerweile der Bruterfolg aus. Sogar das heimische Schwarzwild begegnet den Nandus mit Respekt: „Diese Vögel sind äußerst wehrhaft“, so Neumann.

Schäden im sechsstelligen Bereich

Besonders gefährlich sind dem Bericht zufolge die männlichen Nandus. Diese bebrüten das Nest mit 25 bis 30 Eiern und verteidigen es, wenn nötig. „Die können auch Menschen schwer verletzen.“ Auf dem Speiseplan der Nandus stehen ähnlich wie bei Störchen Frösche und Schlangen. Fußgänger wollen sogar beobachtet haben, wie ein Nandu Graugans-Küken fraß. Und die unangenehmen Nandu-Begegnungen häufen sich: Reiter seien gestürzt und Spaziergänger attackiert worden. Besonders die Landwirte ärgern sich über die Nandus, die sich an ihren Feldfrüchten bedienen. Petra Böttcher vom Kreisbauernverband in Grevesmühlen beziffert die bisher entstandenen Schäden auf mehrere Hunderttausend Euro – Schäden, die von der Wildschadensausgleichskasse nicht bezahlt werden, da diese nur für Schwarz-, Rot- und Damwildschäden aufkomme. Weil die Nandus laut Angaben der Zeitung inzwischen ein Gebiet von 1000 Quadratkilometern besiedeln, solle nun endlich etwas geschehen.

Ministerium diskutiert Lösungen

Die Politik scheint den Handlungsbedarf erkannt zu haben. Daher haben sich kürzlich Landwirte und Jäger mit Vertretern des Schweriner Landwirtschaftsministeriums getroffen, um mögliche Maßnahmen zu diskutieren. Zur Debatte stehen das Aufsammeln der Eier, aber auch die „Tötung auf Basis von Ausnahmegenehmigungen zur Abwehr von Schäden.“ Was konkret mit den Neozoen geschieht, stehe zwar noch nicht fest. Klar sei allerdings: Die Reproduktion der Nandus müsse noch in diesem Jahr eingeschränkt werden.

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