Wildschweinbache beschützt Frischlinge und verletzt Frau schwer

Was passiert, wenn Unvorsichtigkeit und Torheit auf eine führende Bache treffen, zeigt ein Fall aus Cottbus.

Bache mit Frischlingen

Foto: Barni1

Jetzt im Frühjahr, wenn das erste frische Grün zum Vorschein kommt und die Vögel fröhlich zwitschernd ihrem geschäftigen Treiben nachgehen, ist auch die Zeit gekommen, in der viele Wildtiere ihren Nachwuchs zur Welt bringen. Dass gerade Wildschweine dabei vielerorts auch städtische Gebiete besiedeln, ist keine Seltenheit mehr. Jeder kennt die Bilder und Videos, beispielsweise aus Berlin oder Brandenburg, wo ganze Wildschweinrotten am helllichten Tag durch die Ortschaften ziehen.

So wählte ein weibliches Wildschwein (Bache genannt) eine Hecke im Cottbuser Stadtteil Dissenchen aus, um dort ihre Frischlinge zu bekommen (zu „frischen“, wie der Jäger sagt). Wie „rbb24“ berichtet, meldeten Anwohner die Sichtung der Bache an die Lokalredaktion der „Lausitzer Rundschau“, welche einen Fotoreporter entsandte, um Schnappschüsse von der kleinen Wildschweinfamilie zu schießen.

Dabei ist der Fotograf den Schwarzkitteln „zu sehr auf die Pelle gerückt“, wie er sein Fehlverhalten selbst eingesteht. Es kam, was kommen musste – die Bache fühlte sich zu sehr bedrängt und ging, um ihre Frischlinge zu beschützen, zum Angriff über. Der Reporter sei dabei nur leicht am Schienbein verletzt worden. Eine Anwohnerin, die den Fotografen zu den Wildschweinen geführt hatte, traf es aber wesentlich schlimmer. Sie musste mit einer zertrümmerten Kniescheibe ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Beobachtungen anderer Anwohner zufolge habe die Bache mit ihren Frischlingen die Siedlung, glücklicherweise augenscheinlich unversehrt, am nächsten Tag verlassen.

Nicht umsonst haben erfahrene Wildschweinjäger einen enormen Respekt vor diesem interessanten und wehrhaften Wild – sie begegnen den Tieren stets mit größter Vorsicht. Gerade in der Aufzuchtphase ihrer Frischlinge sind weibliche Wildschweine sehr aufmerksam und können schnell aggressiv werden, wenn sie ihre Frischlinge oder sich bedroht fühlen. Dies sollte mittlerweile eigentlich jedem bekannt sein. Wildtiere sind schlichtweg keine Kuscheltiere.

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Tipps für eine ungewollte Begegnung mit einem Wildschwein

Vorausgeschickt sei die Bemerkung, dass Wildschweine sehr scheue und vorsichtige Tiere sind, wenn sie nicht beispielsweise durch Anfütterung an den Menschen gewöhnt werden. Werden sie in ihren natürlichen Lebensräumen in Ruhe gelassen, sind sie nicht aggressiv und halten sich vom Menschen fern. Bleiben Sie daher im Wald auf den gekennzeichneten Wegen und leinen Sie Ihre Hunde an.

Ruhe bewahren

Sollten Sie dennoch, warum auch immer, ungewollt Kontakt mit einem Wildschwein bekommen, bewahren Sie nach Möglichkeit Ruhe und vermeiden Sie hektische Bewegungen.

Halten Sie Abstand zu den Tieren

Fühlt sich ein Wildschwein bedrängt, so wird es dies durch eine Drohgebärde, das so genannte „Blasen“, eine Art Schnaufen, zum Ausdruck bringen. Spätestens jetzt sollten Sie ruhig, sprich ohne ruckartige Bewegungen, Rufen oder Gestikulieren, jedoch zügig, den Abstand zu dem Tier vergrößern.

Ab nach oben

Sollte das Wildschwein dennoch zum Angriff übergehen, so versuchen Sie sich so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen. Klettern sie auf einen Baum oder erklimmen Sie ausnahmsweise einen Hochsitz, sollte dieser in der Nähe sein. Weglaufen allein hilft nicht viel – das Schwein ist in jedem Fall schneller als Sie.

Schützen Sie sich

Kommt es zum Äußersten und das Tier attackiert Sie, dann kann es sinnvoll sein, sich auf den Boden zu werfen und die lebenswichtigen Organe zu schützen.

Männliche Tiere, die Keiler, schlagen mit ihren messerscharfen Eckzähnen um sich und können so beispielsweise lebenswichtige Gefäße, wie etwa die Beinschlagader, durch die Kleidung hindurch durchtrennen. Bachen sind noch wesentlich gefährlicher und im Angriff ausdauernder als ihre männlichen Artgenossen, gerade wenn sie führend sind und Frischlinge haben. Sie beißen mit ihren starken Kiefern zu, wenn sie sich verteidigen.

Wie schon erwähnt ist das zuvor Beschriebene äußerst unwahrscheinlich, wenn Sie sich den Tieren gegenüber vernünftig verhalten und diese nicht in ihren natürlichen Einständen bedrängen.

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