Wolfsjäger unter Beschuss 

Ein klarer Fall. Und dennoch erhitzt der Brandenburger Todesschuss die Gemüter. Wir liefern Fakten, Hintergründe und Einschätzungen aus erster Hand.

Wölfe im Schnee

Foto: Dieter Hopf

Gegen den Jäger, der in Brandenburg einen Wolf tötete, um Jagdhunde vor weiteren Angriffen zu retten, laufen bereits mehrere Strafanzeigen. Der Deutsche Jagdverband fordert von der Politik, endlich für eine eindeutige Rechtslage zu sorgen.

Inzwischen ist mehr bekannt: Es handelte sich um eine Drückjagd im Revier eines privaten Pächters. Auch in puncto Waidgerechtigkeit gab es klare Vorgaben, zum Beispiel das ausdrückliche Verbot, auf Rehwild zu schießen. Sicher ist aber auch: Mehrere Wölfe waren schon zum Beginn der Drückjagd zu spüren.

Ebenfalls klar: Wie fast überall in Deutschland stehen die Beständer unter massivem (auch politischem) Druck, Schwarzwild-Strecke zu machen. Nicht nur zur Schweinepest-Abwehr, sondern auch wegen drohender Wildschäden. Und das momentan fast ohne Schnee in Brandenburg.

Soviel zur gestern gebetsmühlenartig wiederholten Frage aus dem Pro-Wolf-Lager, warum die Jagd bei Wolfspräsenz nicht abgebrochen wurde. Gegenfrage: Geben wir Schwarzwilddrückjagden überall dort auf, wo es Wölfe gibt? Wo die Wölfe das Überhandnehmen der Sauen offenbar – und anderen Behauptungen zum Trotz – mitnichten verhindern. Sondern dafür sorgen, dass die Rotten immer größer, heimlicher und wehrhafter werden.

Oder schaffen wir wegen der rasanten Schweinevermehrung den Energiepflanzenanbau ab, um dann die Atomkraftwerke wieder anzuschalten, damit den Elektroautos nicht der Saft ausgeht. Windräder sind ja auch nicht sehr beliebt im faktenfernen Teil der Öko-Szene, die das Insektensterben beklagt und zugleich Wasserkraft für grundsätzlich umweltfreundlich hält.

Also haben sie in Rädigke die Jagd trotz Wolfsnähe angeblasen und auf die klugen Belehrungen vertraut, dass Wölfe menschenscheu seien. Und im Konfliktfall relativ einfach zu vertreiben – mit Händeklatschen und lauten Pfiffen, im schlimmsten Fall mit einem Warnschuss.

Die beteiligten Jäger wissen es jetzt besser: Erst folgte der später erlegte Wolf in Rufweite zahlreicher Jäger einem Rehwild-Sprung. Als er merkte, dass auch Hunde hinter den Rehen her waren, wechselte er umgehend sein Beuteschema, machte kehrt und hetzte seine nahen Anverwandten.

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Drückjagdteilnehmer versuchten es mit Pfiffen und Händeklatschen. Und zuletzt mit dem Warnschuss, als vom Wolf verletzte Hunde – ein Drahthaar und ein Terrier – bereits laut klagten. Sie wurden später von einem Tierarzt versorgt. Auch in diesem Punkt ist die Notsituation nachgewiesen.

Erst in dieser kritischen Lage nahm sich der Jagdgast aus Holland ein Herz und machte dem wölfischen Treiben ein Ende – wohl nicht ahnend, was in Deutschland los ist, wenn Tierliebe vor Wolfsliebe geht. Wobei viele Jagdgegner uns Jäger ja ohnehin für unfähig zu positiven Emotionen halten.

Wie gesagt, die ersten Strafanzeigen sind schon unterwegs. Auf den Pro-Wolf-Seiten wird heftig spekuliert, wieviel der Jagdgast für den Abschuss zahlen musste (er war eingeladen). Oder ob das Geschehen gar ein abgekartetes Spiel war, um die Politik zu zwingen, den Wolfsabschuss in solchen Notsituationen zu erlauben.

Wie in Schweden, wo die Rechtslage zur Verteidigung von Haus- und Nutztieren zwar eindeutig geklärt ist und doch immer wieder Jäger vor Gericht landen. Was in eindeutigen Fällen wie nun in Brandenburg regelmäßig mit Freisprüchen endet. Nach Morddrohungen im Internet sowie Monaten der Ruf- und Geschäftsschädigung.

Der betroffene Pächter sagte uns zwar, dass er Hass-Reaktionen nicht fürchte. Seinen Namen suchen Jagdgegner hier dennoch vergeblich. Wir wissen, zum Beispiel vom Wolfstod einer Bracke im vergangenen Jahr, was abgeht, wenn Wolfsfreunde ihre Wut auslassen.

Ob es für den Jäger aus Holland teuer wird, muss sich zeigen: Ein dänischer Jagdgast, der im vergangenen Jahr – ebenfalls in Brandenburg – einen Wolf streckte, wurde zu einer Geldstrafe im „hohen vierstelligen Bereich“ verurteilt. Die exakte Summe wollte das Gericht nicht nennen. Auch in diesem Fall hatten die Jäger von sich aus die Polizei verständigt. Es hatte seinerzeit allerdings keine offensichtliche Notsituation wie jetzt in Rädigke gegeben.

Am Rande: In den schwedischen Wolfskerngebieten – etwa im Städtchen Hagfors – versuchen Züchter ihren Hunden bereits den Sichtlaut abzugewöhnen. Sie fürchten, dass das Geräusch die Wölfe anlockt. Nicht wegen der Beute- oder Paarungskonkurrenz, sondern wegen der Vermutung, dass Hunde mittlerweile zum Beuteschema gehören. Während Elche sich zunehmend ihrer Haut zu wehren wissen. Die künftige Schalenwildbekämpfung mancher Kreise wird in Wolfsregionen wohl viele Hunde (das Leben) kosten.

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