Arbeitseinsätze in der Natur: Das Bergwaldprojekt

Feste Schuhe, ein guter Regenschutz, Schlafsack und Thermosflasche – dazu noch eine große Portion Neugierde an der Arbeit in der Natur sowie eine Woche Zeit. Viel mehr braucht es nicht, um sich für das "Bergwaldprojekt" zu engagieren. Der gemeinnützige Verein Bergwald e.V. bietet nunmehr seit über 20 Jahren Arbeitseinsätze im Wald, in Moorgebieten und Freilandbiotopen an. Damit möchte er auf die Auswirkungen von Umwelt- und Klimaeinflüssen auf diese sensiblen Ökosysteme aufmerksam machen. Diplom-Forstingenieur Peter Naumann vom Verein hat Outfox-World im Gespräch das Projekt näher vorgestellt:

Bergwaldprojekt: Buchenpflanzung

Fotos: Bergwaldprojekt e.V./ Buchenpflanzung

Was ist die Idee des Bergwaldprojekts?

Das Bergwaldprojekt ist ein Verein, der ökologische Arbeitseinsätze mit Freiwilligen in Wäldern, Mooren und Biotopen durchführt. Gearbeitet wird in drei Modulen: Freiwillige, Waldschule (Bildungsträger) und Unternehmen (Corporate Social Responsibility). 

Der Bergwaldprojekt e.V. führt das ganze Jahr über Arbeitseinsätze durch. Wie viele sind es inzwischen und welche Schwerpunkte haben diese?

Das Bergwaldprojekt bringt mit seinen Einsatzwochen allein in Deutschland jedes Jahr über 2.000 Menschen in die Natur. 2016 finden 90 Projektwochen an 47 verschiedenen Standorten in ganz Deutschland statt. Ziel der Arbeitseinsätze ist es, die vielfältigen Funktionen der Ökosysteme zu erhalten, den Teilnehmern die Bedeutung und die Gefährdung unserer natürlichen Lebensgrundlagen bewusst zu machen und eine breite Öffentlichkeit für einen naturverträglichen Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu bewegen. Die Schwerpunkte der Arbeiten liegen im Waldumbau, in der Biotop-Pflege, der Schutzwaldsanierung und der Moorwiedervernässung.

Bergwaldprojekt: Bau eines Steigs in Bad Tölz

Bau eines Steigs in Bad Tölz, 

In welchen Ländern gibt es das Bergwaldprojekt und was sind die nationalen Besonderheiten?

Das Bergwaldprojekt arbeitet als Verein in Deutschland und in Spanien (Katalonien), als Stiftung in der Schweiz und es wird vom österreichischen Alpenverein mit dem Schwerpunkt Almpflege auch in Österreich angeboten. Derzeit gibt es durch die Schweizer Kollegen Kontakte nach Italien und Frankreich. Auch eine Anfrage aus Norwegen hat es bereits gegeben. Der ukrainische Ableger des Bergwaldprojekts liegt aufgrund der Situation im Land derzeit auf Eis.

Wer leitet die Einsätze?

Die Einsätze werden von projekteigenen, ausgebildeten Förstern sowie Landespflegern betreut. Unterstützt werden diese von ehrenamtlichen Gruppenleitern.

Wie sieht ein typischer Tagesablauf aus? 

Ein typischer Projekttag könnte so aussehen: Die Gruppe steht um 6.00 Uhr auf, frühstückt gemeinsam, wäscht anschließend ab und räumt auf. Danach brechen sie gemeinsam zum Einsatzort im Wald auf. Vor Ort gibt es eine Einweisung in die Arbeiten und los geht´s! Mittags wird draußen am offenen Feuer gegessen, danach werden die Teamarbeiten im Wald fortgesetzt. Am späten Nachmittag geht es zurück zur Hütte, um zu entspannen und gemeinsam zu Abend zu essen.

Wie entstehen die Projekte und nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Projekte aus?

Das Bergwaldprojekt wird immer wieder von Landesforstverwaltungen, Kommunen und Schutzgebieten wegen einer möglichen Kooperation angefragt. Bei einem Ortstermin werden dann Möglichkeiten der Zusammenarbeit überprüft.

Die Projekte müssen im öffentlichen Wald oder Moor stattfinden, ökologisch nachhaltige Ziele verfolgen und auch ein gewisses Arbeitspensum über einige Jahre erlauben. Darüber hinaus ist die Verfügbarkeit einer entsprechenden Unterkunft wichtig.

Bergwaldprojekt: Biotoppflege

Biotoppflege

1991 wurde das Projekt in Deutschland ins Leben gerufen – wie hat es sich seitdem weiterentwickelt? 

Die Idee zum Bergwaldprojekt entstand 1986 in einer Hamburger Küche. Wolfgang Lohbeck von Greenpeace und der Schweizer Förster Renato Ruf hatten die Idee, Menschen in den Wald zu bringen und mithilfe sinnvoller Arbeit dieses Ökosystem besser kennenzulernen. 1987 fand der erste Einsatz in Malans in der Schweiz statt. 1991 folgte der erste Einsatz in Deutschland in St. Andreasberg im Harz. Zwei Jahre später wurde der deutsche Verein gegründet und im ersten Jahr wurden bereits rund 18 Einsatzwochen durchgeführt. Das Projekt hat sich also sehr erfolgreich entwickelt. Das Jahresbudget des Vereins liegt im Moment bei 1,3 Millionen Euro.

Was sind für Sie ganz persönlich bisher die größten Erfolge des Projekts? 

Es ist schwer, ein konkretes Projekt zu benennen. Die Arbeit selbst ist neben dem Bildungsauftrag erheblich geworden und das zeigt sich auch in den Ergebnissen: Waldumbau und Moorwiedervernässung sind inzwischen kein Tropfen auf den heißen Stein mehr. Mehr als zwei Millionen Bäume wurden gepflanzt, Hunderte Hektar Wald gepflegt, viele Kilometer Wildbäche renaturiert und Dutzende Hochmoore wieder vernässt. Über 30.000 Menschen haben daran teilgehabt. Das ist für uns ein riesiger Erfolg!

Bergwaldprojekt: Steigbau

Ein Teilnehmer beim Steigbau 

Wer engagiert sich für das Projekt?

Das Projekt spricht alle Bevölkerungsteile und sowohl Jung als auch Alt an. Neben den Freiwilligenprojekten bieten wir mit den Familienwochen die Möglichkeit, Kinder mit in die Projekteinsätze zu nehmen. Während sich die Erwachsenen tagsüber in den Arbeitsgruppen aktiv für den Wald engagieren, betreuen ausgebildete Naturpädagogen die Kinder und bringen ihnen auf spielerische Weise den Wald und seine Geheimnisse näher. Das Angebot richtet sich an Erziehungsberechtigte mit Kindern in den Altersgruppen 6 bis 10 und 8 bis 12 Jahre.

Integrative Projektwochen beziehen neben erwachsenen Freiwilligen Teilnehmende aus sozialen Einrichtungen ein. So erhalten Menschen mit Behinderungen oder Flüchtlinge die Möglichkeit, sich gesellschaftlich zu engagieren.

Mit unserer Waldschule richten wir uns außerdem an Gruppen aus Bildungseinrichtungen: Bei den praktischen Arbeiten im Wald erfahren und verinnerlichen Jugendliche und junge Erwachsene die Zusammenhänge in der Natur und die eigenen Bezüge zur Natur. Die vom Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ geförderte Waldschule leistet einen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität und sensibilisiert gleichzeitig die kommende Generation für das Ökosystem Wald sowie unsere natürlichen Lebensgrundlagen.

Mit unseren Corporate Volunteering Veranstaltungen sprechen wir zudem Unternehmen gezielt an. Mithilfe von ein- oder mehrtägigen ökologischen Arbeitseinsätzen für Mitarbeiter, Freunde und Kunden einer Firma wird ein wichtiger Hebel für die Nachhaltigkeit im Unternehmen generiert. Organisiert und betreut von einem erfahrenen Projektteam, hat man auch ohne Vorkenntnisse die Möglichkeit, sich aktiv und kompetent für Natur und Heimat zu engagieren. Die gemeinsame Arbeit im Wald stärkt nicht nur das Bewusstsein für die Natur und nachhaltiges Handeln: Die Freude in der Natur und der Spaß am gemeinsamen Tun erfrischen Körper und Geist und schenken dem Team neue Kraft für anstehende Herausforderungen

Wie kann ich mitmachen?

Einfach anmelden unter www.bergwaldprojekt.de!

Mehr Informationen zum Bergwaldprojekt gibt es auch im Video:

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