Der Big Bend Nationalpark – ein Stück wilder westen

Big Bend Nationalpark

„jwd – janz weit draußen“. Treffender lässt sich die Lage des „Big Bend National Parks“ kaum beschreiben. Eingebettet in die große Schleife des Rio Grande, im Südwesten von Texas und an der Grenze zu Mexiko, befindet sich das knapp 3300 Quadratkilometer umfassende und größenmäßig an 15. Stelle der amerikanischen Nationalparks liegende Areal: eine abgeschiedene Welt großartiger Landschaften und vielfältigster Tierarten und Pflanzen. 

Seit seiner offiziellen Eröffnung im Jahr 1944, nur eine Woche nach der Landung der Alliierten an den Stränden der Normandie, gehört der „Big Bend“ zu den nationalen Naturschätzen Amerikas und speziell des Bundesstaates Texas. Hier, wo alles gerne „größer“ ist als anderswo im Land, betont man gerne die Extreme dieses Parks. 

Man braucht mit dem Wagen fast einen ganzen Tag von El Paso oder San Antonio, um in einem der kleinen Orte Alpine oder Marathon anzukommen, und von dort aus nochmals zwei bis drei Stunden an die nördliche Grenze des Parks. Gut so, das zeugt von echtem Interesse und der von Texanern geschätzten „Hardiness“; dem „den Typen haut nichts so leicht um“-Charakter. 

Canyon im Big Bend

Von den sandigen Ufern des Rio Grande durch die Chihuahua-Wüste bis auf die Gipfel der Chisos Mountains im Zentrum des Parks überwindet man fast 2500 Meter Höhenunterschied und erfährt einen Temperatursturz von bis zu 50 Grad, je nach Jahres- und Tageszeit. Unterwegs verändert sich auch die Vegetation: von Kakteen (über 60 Varianten, kein anderer Nationalpark hat so viele aufzuweisen), struppigem Creosote über niedrige Pinien, Wacholderbüsche bis zu vereinzelten, lichten Ahorn- und Espengehölzen sowie Fichten.

Wer sich unter der Wüste eine Landschaft wie die Sahara vorstellt, wird von der Vielfalt der angesiedelten Pflanzenwelt angenehm überrascht sein – nach einem ausgedehnten Frühjahrsregen blühen hier sogar ganze „Teppiche“ von Wildblumen.

Die Weggefährten: Taranteln, Schlangen, 14 Sorten Skorpione, die putzigen, aber nicht zu unterschätzenden Wildschweine „Javelinas“, Kojoten, unzählige seltene Sing- und Raubvögel, Berglöwen und Braunbären. Sowie gelegentliche Drogenschmuggler oder fahrende mexikanische Händler, die sich ein paar amerikanische „Dolares“ durch das Verhökern kitschiger Mitbringsel verdienen möchten.

Klingt schlimmer als es ist, denn die meisten genannten Kreaturen sind nachts am aktivsten. Tagsüber trifft man meist nur auf einen der 300.000 jährlichen Besucher, der versucht, mit seiner Kamera den besten Winkel fürs Familienalbum zu erwischen oder den untrainierten Körper per Mountainbike über den nächsten Hügel zu transportieren.

Apropos Transport: Neben Wandern stehen auch Radfahren oder Reittouren hoch im Kurs. Letztere leider nur mit eigenem Ross, es gibt im Park keine Mietpferde. Und mit dem Wagen lassen sich wunderbare Aussichtspunkte abfahren.

Big Bend Nationalpark

Zum Übernachten stehen neben unzähligen „back country“-Zeltplätzen auch drei wohlorganisierte Anlagen für Camping sowie die „Chisos Mountain Lodge“ bereit. Von hier aus lassen sich Angelnachmittage, Kanutouren den Rio Grande hinunter, von Rangern geführte Tagestouren oder Erkundungen historischer Gebäude wie des Postamtes von Hot Springs organisieren. In der Weite der Wüste und in den engen Schluchten der Canyons ist der Empfang für Handys unzuverlässig – umso besser lassen sich jedoch in aller Ruhe nachts die Sterne beobachten.  

Der „Big Bend“ hat sich, fernab des amerikanischen Alltags und der Annehmlichkeiten der Zivilisation, seinen ungezähmten Charakter bewahrt und belohnt mit unvergleichlicher Natur.

Infokasten für Jäger:

Im „Big Bend“-Nationalpark selbst ist wie in fast allen US-Nationalparks die Jagd für Privatleute wie Touristen verboten. Allerdings bietet die Umgebung des Parks aufgrund der Migration der reichen Tierwelt exzellente Möglichkeiten – wie beispielsweise im westlich vom Nationalpark gelegenen „Big Bend Ranch State Park“. Auskünfte über verfügbare Reviere, Regeln, Lizenzerwerb und Gebühren erteilt das Park-Hauptquartier unter der Telefonnummer 001-432-358-4444. 

Das könnte Sie auch interessieren
Aktuell & informativ

DER OUTFOX WORLD NEWSLETTER

Aus der Natur direkt in Ihr Postfach.

Folgen Sie uns!